Paul Celan / Biographie

Von Brigitte Lotz

Über Paul Celan, einen der bedeutendsten Lyriker der deutschen Sprache nach dem 2. Weltkrieg, ist viel geschrieben worden. Seine Gedichte liegen in verschiedenen Gedichtsammlungen vor, Briefsammlungen erhellen seinen Umgang mit zeitgenössischen Schriftstellerkollegen und Künstlern und mehrere Werkausgaben versuchen, Celans literarisches Schaffen in seiner Gesamtheit zugänglich zu machen. Sein Jahrhundertgedicht Todesfuge, 1945 entstanden, gehört sogar lange Zeit in der Schule zum Werkekanon des Deutschunterrichts.

Doch trotz dieses umfänglichen Materials und der Vielzahl an interpretierenden Studien bleiben der Lyriker und seine Gedichte auch heute noch schwer zugänglich. Von seinen Zeitgenossen als 'diskreter Mensch' bezeichnet, hat Celan über sein Leben wenig preisgegeben, sodass in seiner Biografie so manche Lücke klafft. Seine Gedichte werden oft als "kryptisch" oder "hermetisch" bezeichnet und folgen damit einer in den 1950er Jahren vorherrschenden Tendenz zum "verschlossenen Gedicht", das sich einer einfachen Botschaft, einem vordergründigen Sinn und damit auch der schnellen Konsumierung verweigert.

Paul Celan, als einziger Sohn deutschsprachiger Juden 1920 in Rumänien geboren, gehört zu der Generation der Künstler, die die NS-Zeit und die nationalsozialistische Massenvernichtung hautnah miterlebt. Und für ihn hat das politische Zeitgeschehen noch einmal ein besonderes Gewicht, da er seine Eltern 1942/43 in Hitlers Konzentrationslagern verliert. Die Deportation und die anschließende Ermordung seiner Familie prägt sein Leben und steht stets im Zentrum seines literarischen Schaffens. Nach dem nationalsozialistischen Massenmord ist für Celan der naive und unmittelbare Gebrauch der deutschen Sprache, der "Mördersprache", nicht mehr möglich.

Darf man in dieser Sprache noch Lyrik schreiben? Auch der deutsche Philosoph Theodor W. Adorno hat sich 1951 in seinem berühmten Diktum mit diesem Widerspruch auseinandergesetzt: "Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht schreiben, ist barbarisch, und das frisst auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben." (Kulturkritik und Gesellschaft, 1951) Paul Celan dagegen vertraut weiterhin seiner Lyrik, um dem erfahrenen Leid Ausdruck zu verleihen. Gleichzeitig arbeitet er sich aber immer wieder an der vorgefundenen Sprache, der "Sprache der Mörder" ab. In seiner Bremer Rede hält er 1958 fest: "Sie, die Sprache, blieb unverloren, ja, trotz allem. Aber sie musste nun hindurchgehen durch ihre eigenen Antwortlosigkeiten, hindurchgehen durch furchtbares Verstummen, hindurchgehen durch die tausend Finsternisse todbringender Rede. Sie ging hindurch und gab keine Worte her für das, was geschah; aber sie ging durch dieses Geschehen. Ging hindurch und durfte wieder zutage treten, 'angereichert' von all dem."