Wolfgang Borchert / Biographie

Eine Schaffensphase ohnegleichen
Literarischer Durchbruch auf dem Krankenbett

Am 24. Januar 1946 – krank zu Hause – schreibt Wolfgang Borchert die Geschichte „Die Hundeblume“. Mit ihr begründet sich sein Ruhm als Autor von Kurzgeschichten. Das Genie schafft den Durchbruch – oder wie soll man das nennen? Plötzlich findet Borchert anstrengungslos die rechten Worte, die gereift sind zu dichterischer Qualität. Immer noch schreibt er schnell, aber jetzt geht es in die Tiefe. Es scheint eine Art „Quantensprung“ – eine Mutation, die sich vorbereitet hat, vielleicht durch den aufgedrückten Weg der Erfahrung von Leid, Krieg, Tod?

Inzwischen ist er wieder zu Hause, da die Ärzte in den Krankenhäusern an ihm nur herumzudoktern zu scheinen. Man könne ihm nicht helfen, sagen sie den Eltern. Müsse er sterben? – Ja. – Wann? – In drei Tagen vielleicht oder in einem Jahr ...

Und Wolfgang Borchert durchlebt eine unbeschreibliche Schaffensphase; jede Minute wird zum Schreiben genutzt. Neunundzwanzig Geschichten schreibt er im Jahr 1946. Er schreibt sie nieder, zielsicher und schnell, ohne sich einen Plan zu machen oder über den Aufbau nachzudenken.

Im Januar 1947 dann in acht Tagen das Drama „Draußen vor der Tür“. Das Verdrängte steht vor der Tür – und bleibt dort. Beckmann, der Kriegsheimkehrer, der zu spät kommt; alle Plätze sind besetzt. Man hat sich arrangiert. Und Beckmann, belastet mit allen Fragen nach Sinn und Verantwortung, sieht keinen Ausweg mehr; er klagt an. Hier findet sich das Rebellentum des jungen Borchert wieder. Aber alle Fragen bleiben unbeantwortet – so endet das Stück in einer Frage: „Gibt denn keiner, keiner Antwort???“

Mit diesem Drama beginnt der eigentliche literarische Durchbruch. Am 13. Februar 1947 wird es als Hörspiel gesendet; nach Borcherts Tod, am 21. November 1947, wird es von den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt, später gibt es weltweite Aufführungen; ebenso wird es unter dem Titel „Liebe 47“ von Wolfgang Liebeneiner verfilmt (1948). Unter dem Titel „Die Hundeblume“ wird eine erste Kurzgeschichtensammlung im Verlag Hamburgische Bücherei veröffentlicht.

Im Jahr seines Todes,1947, schreibt Borchert bis September weitere zweiundzwanzig Geschichten.