Interpretation: Der verwundete Sokrates

Nun ist bereits dieser erste Teil des Textes eigentlich schon komplex genug, um sich mit den implizit und explizit aufgeworfenen Fragen zu beschäftigen. Doch der Text geht noch weiter und stellt neue philosophisch-ethische Ansprüche: Soll Sokrates erzählen, wie es wirklich war auf dem Schlachtfeld und damit das Bedürfnis der Menschen nach Helden enttäuschen? Oder soll er diesem Bedürfnis gerecht werden und sich als Helden feiern lassen, obgleich er selbst weiß, dass er kein solcher ist? Die Entscheidung bleibt letztendlich dem Leser überlassen – der Text macht zwar durch Sokrates’ Beichte am heimischen Herd den Weg frei für die Wahrheit, doch ob diese Wahrheit denn auch aus des Philosophen Hütte dringt, erfährt man zur Beunruhigung des eigenen Gewissens nicht.