Paul Celan / Biographie

Am 23.11. 1920 wird Paul Antschel, so Paul Celans eigentlicher Name, im damals rumänischen Czernowitz, in der Region Bukowina, dem bis 1918 östlichsten Zipfel der Donaumonarchie, geboren. Er wächst als Einzelkind in einer kleinbürgerlichen jüdischen Familie in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Vater, autoritär und strenggläubig, ist Baumeister im Holzhandel. Obwohl Pauls Mutter auf keine große schulische Bildung zurückgreifen kann, ist sie sehr belesen und gibt ihre Vorliebe für Literatur offenbar an ihren Sohn weiter. In Czernowitz, einer hochkultivierten und europäisch geprägten Stadt mit einem einvernehmlichen deutsch-jüdischen Leben, besucht Paul zunächst die deutsche, später die hebräische Volksschule, ab 1930 ein rumänisches, später ein ukrainisches Staatsgymnasium.

Schon während der Schulzeit nimmt Paul an Lesezirkeln teil, wo meist im Kreis einer schwärmerischen Mädchengruppe Gedichte rezitiert und Gespräche über Literatur geführt werden. Rainer Maria Rilke wird zum Lieblingsdichter des jungen Paul. Mit der Bar-Mizwa, dem jüdischen Pendant der protestantischen Konfirmation, beendet der Vierzehnjährige 1934 das gläubige Leben und nimmt von da an an keinem Gottesdienst mehr teil. Er zeigt politisches und soziales Engagement und arbeitet in einer kommunistischen Jugendorganisation mit. Pauls frühe Gedichte aus den Jahren 1937/38 zeigen mit ihrem Harmoniestreben, ihrer Naturschwärmerei und ihrem Verharren in alten Formen typische Merkmale der Bukowiner Lyrik, aber auch hier deutet sich bereits die Tendenz zur Verfremdung von überkommenen Stereotypen an. Nach dem Abitur beginnt Paul 1938 ein Medizinstudium im französischen Tours, das er jedoch wegen des beginnenden Krieges bald wieder abbrechen muss. Nach Czernowitz zurückgekehrt, entscheidet er sich für ein Romanistikstudium.

Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 verbündet sich Rumänien mit Deutschland. Die deutsch-rumänische Schreckensherrschaft bringt Terror, Vertreibung und Mord in die Bukowina und führt zur Liquidierung der jüdischen Bevölkerung. Paul wird zur Zwangsarbeit verpflichtet und muss die Deportation seiner Eltern in ein Lager in Transnistrien (Gebiet zwischen den Flüssen Dnjestr und Bug) miterleben. Im Herbst/Winter 1942 erhält er die Nachricht vom Tod seines Vaters, der entweder an Typhus starb oder aber erschossen wurde. Wenige Zeit später stirbt auch seine Mutter durch einen Genickschuss. Der Tod der Eltern führt zu einem spürbaren Bruch sowohl in Pauls Biografie als auch in seiner Dichtung. Der Überlebende entwickelt wie viele andere seiner Leidensgenossen lebenslange Schuldgefühle den ermordeten Eltern gegenüber. Gehören seine frühen Gedichte eher zum Bereich Liebeslyrik, tritt nun durch die Erlebnisse das Todesmotiv in den Vordergrund. Ab 1943 steht die Gestalt der Mutter vielfach im Zentrum der Gedichte, die zum Teil sogar die direkte Ansprache der Mutter wie in "Schwarze Flocken" zeigen. Auffällig ist auch, dass der Reim eine immer sparsamere Verwendung findet, bis er nur noch der Verfremdung und Irritation dient.