Paul Celan / Biographie

1945 siedelt Paul nach Bukarest über, wo er als festangestellter Verlagslektor russische Literatur ins Rumänische übersetzt. Der Lyriker Alfred Margul-Sperber wird zum Förderer des jungen Literaten und ermöglicht ihm den Zutritt zur deutschsprachigen literarischen Öffentlichkeit. Unter dem Pseudonym Paul Celan erscheinen 1947 die ersten Gedichte, darunter auch die "Todesfuge" in einer rumänischen Übersetzung. Im selben Jahr flüchtet Paul nach Wien, wo er bald Anschluss an die Wiener Szene surrealistischer Maler und Literaten findet und auf Ingeborg Bachmann trifft. Aus der Begegnung mit der österreichischen Schriftstellerin entsteht eine kurze, innige Liebesbeziehung, die in eine lange, aber schwierige Freundschaft übergeht.

Im Juli 1948 trifft Paul Celan in Paris ein, der Stadt, die zu seiner künftigen Heimat werden soll. Hier schlägt er sich in der harten und ernüchternden Anfangszeit zunächst mit Gelegenheitsarbeit in der Fabrik, als Dolmetscher und Übersetzer durch und absolviert daneben ein Studium der Literatur- und Sprachwissenschaft. Er tritt in Kontakt mit dem deutsch-französischen Schriftstellerehepaar Yvan und Claire Goll und übersetzt für sie vor und auch nach dem Tod Yvan Golls 1950 mehrere Gedichte. Aus der anfänglichen Freundschaft entwickelt sich für Celan eine äußerst belastende Situation, denn Claire Goll erhebt ab 1960 öffentliche Plagiat-Vorwürfe. Die sich zu einer Pressekampagne gegen ihn ausweitenden Plagiatsaffäre führt zu einer bleibenden Beschädigung von Celans Psyche und schwächt seinen Lebenswillen.

1952 präsentiert der Dichter auf der Tagung der Gruppe 47 in Niendorf an der Ostsee u. a. seine "Todesfuge". Trotz der kränkenden und von Unverständnis begleiteten Reaktionen der anderen Tagungsmitglieder bringt dieser Auftritt den literarischen Durchbruch. Im selben Jahr erscheint sein Gedichtband "Mohn und Gedächtnis", der ihn weltbekannt macht. Er heiratet Giséle de Lestrange, eine Malerin und Grafikerin aus der französischen Aristokratie. Das erste gemeinsame Kind stirbt 1953 kurz nach der Geburt, das zweite Kind Eric wird 1955 geboren. In diesem Jahr erscheint Celans Gedichtband "Von Schwelle zu Schwelle" und der Dichter wird offiziell in Frankreich eingebürgert. Neben seinen eigenen lyrischen Werken überträgt er immer wieder poetische Texte anderer Autoren aus einer Vielzahl von Sprachen. Als ein Höhepunkt in seinem lyrischen Schaffen bekommt Celan 1960 den Georg-Büchner-Preis verliehen.

1962/63 muss sich Celan erstmals in eine psychatrische Klinik begeben. Dem kurzen Aufenthalt folgen viele weitere nach, sodass er von Ende 1962 bis Anfang 1969 schließlich mehr als ein Jahr seines Lebens in der Psychatrie verbracht hat. Um den 20. April 1970 begeht Paul Celan Selbstmord in der Seine.