Interpretation: Aus dem Leben eines Taugenichts und Erzählungen

"Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und läßt mich alle Arbeit allein tun", spricht der Vater, der "schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort" hat. Es folgt der bürgerliche Imperativ: "[...] geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot." Doch der Taugenichts hat nur ein Ohr für den ersten Teil, denn dieser bietet einen willkommenen Anlass, der eintönigen, seinem Wesen verhassten Arbeit zu entkommen: "Ich hatte recht meine heimliche Freude, als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden rechts und links, wie gestern und vorgestern und immerdar, zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in die freie Welt hinausstrich."

Der Taugenichts ist ein wenig gesellschaftsfähige3s Element. Nur eine leidenschaftliche Verliebtheit bringt ihn kurzzeitig wieder in Lohn und Brot als Gehilfe eines Gärtners, der nicht umhin kann, ihn über Nutzen und Sinn seines Daseins aufzuklären, "wie ich nur fein nüchtern und arbeitsam sein, nicht in der Welt herumvagieren, keine brotlosen Künste und unnützes Zeug treiben solle, da könnt' ich es mit der Zeit auch einmal zu was Rechtem bringen." Mit naiver und doch ans Zynische grenzende Unbekümmertheit kommentiert der Taugenichts: "Es waren noch mehr sehr hübsche, gutgesetzte, nützliche Lehren, ich habe nur seitdem fast alles wieder vergessen."

Fleiß und Effektivität, bürgerliche Kardinaltugenden also, sind dem Taugenichts völlig fremd. Selbst das schöne Leben im Garten hat einen Makel, dass er nämlich "leider ziemlich viel zu tun" hat. Seine Abneigung gegen das Arbeitsame drückt sich in seiner Schlaf-Sucht aus: keine Reise, keine Fahrt in der Kutsche, kein Aufenthalt in einem Garten, ohne dass er dem Schlaf verfällt: "Ich wollte mir doch Italien recht genau besehen und riß die Augen alle Viertelstunden weit auf. Aber kaum hatte ich ein Weilchen so vor mich hingesehen, so verschwirrten und verwickelten sich mir die sechzehn Pferdefüße vor mir wie Filet so hin und her und übers Kreuz, daß mir die Augen gleich wieder übergingen, und zuletzt geriet ich in ein solches entsetzliches und unaufhaltsames Schlafen, daß gar kein Rat mehr war."