Max Frisch / Biographie

1947 kommt es zur ersten Begegnung mit Bertolt Brecht. Obwohl sich Frischs politische Positionen von denen des orthodoxen Marxisten Brecht um einiges unterschieden, hegt der Schweizer große Bewunderung für die geistige Beweglichkeit seines Kollegen, der für die gesellschaftliche Verantwortung des Schriftstellers steht. Auch wenn Brecht als Vorbild für Frischs weitere literarische Entwicklung gewertet werden kann und sich in dessen Dramen Andorra und Biedermann und die Brandstifter deutliche Brechtspuren zeigen, kann Frisch doch nicht als Brecht-Schüler bezeichnet werden; zu groß ist seine Skepsis gegenüber Brechts Theorie von der gesellschaftsverändernden Wirkung von Theater.

Ab 1950 gilt Max Frisch als einer der wichtigsten Vertreter der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur und wird einer der ersten Autoren des 1950 gegründeten Suhrkamp Verlags. In seinem Tagebuch 1946–1949, das erst mit der Nachauflage 1958 zum großen Erfolg wird, findet Frisch sein Selbstverständnis als Autor. Von der Form her ein spannungsreiches Gefüge aus Fakten und fiktiven Elementen, greift es auf Frischs auf den Auslandsreisen 1946–49 gemachte Erfahrungen zurück. Das Tagebuch setzt sich mit der Verantwortung des Einzelnen auseinander und reflektiert gleichzeitig über die Aufgaben eines Schriftstellers. Außerdem bietet es bereits Entwürfe seiner späteren Arbeiten.

1954 trennt sich Frisch von Ehefrau und Kindern und gibt seinen Architektenberuf endgültig für die Schriftstellerei auf. Sein Roman Stiller machte den Schweizer 1954 überall bekannt. Der drei Jahre später folgende Homo Faber erscheint in zahlreichen Übersetzungen. 1958 wird Frisch als erster nicht in Deutschland lebender Autor mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Privat lebt Frisch 1958–1962 mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann zusammen. Die leidenschaftliche, aber wohl auch zermürbende Beziehung, die Frisch als die wohl wichtigste Erfahrung seines Lebens bezeichnet, hat in den Werken beider Künstler tiefe Spuren hinterlassen. Frischs 1964 erschienener Roman Mein Name sei Gantenbein, der das Scheitern einer Ehe zum Thema hat, kann durchaus als Reflexion auf die Zeit mit Ingeborg Bachmann gewertet werden.