Interpretation: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (1910)

Malte, der verlorene Sohn

Die letzte Aufzeichnung bedient sich des biblischen Gleichnisses des verlorenen Sohnes, das bereits zuvor lyrisch verarbeitet wurde (Der Auszug des verlorenen Sohnes. In: Neue Gedichte (1907)).

Nun wird daraus, aus der Perspektive Maltes, die „Legende dessen, der nicht geliebt werden wollte“, der, einer Kindheit als geliebtes Kind entwachsen, sich dieser Liebe zu entziehen gedachte und fortging. In eigentümlicher Weise interpretiert der Ich-Erzähler die inneren Kämpfe des verlorenen Sohnes, die seine eigenen sind, rekonstruiert die Wege zu Gott, zu sich selbst, zu der einen Liebe, und schließlich den Weg zurück in eine Vergangenheit, die sich als Zukunft zeigt:

„Dies alles noch einmal und nun wirklich auf sich zu nehmen, war der Grund, weshalb der Entfremdete heimkehrte. Wir wissen nicht, ob er blieb; wir wissen nur, daß er wiederkam.“