Peter Weiss / Biographie

1965 unterstreicht Peter Weiss sein politisches Engagement durch den Beitritt in die Kommunistische Partei Schwedens. Hierzu erklärt er auf einem Schriftsteller-Kongress in Weimar: „Zwischen den beiden Wahlmöglichkeiten, die mir heute bleiben, sehe ich nur in der sozialistischen Gesellschaftsordnung die Möglichkeit zur Beseitigung der bestehenden Mißverhältnisse in der Welt."

Es folgt bis Anfang der 1970er Jahre seine literarisch produktivste Zeit. In kurzer Folge erscheinen das Oratorium „Die Ermittlung. Oratorium in 11 Gesängen" (1965), das Musical „Der Gesang vom Lusitanischen Popanz" (1967) sowie die Theaterstücke „Diskurs über die Vorgeschichte und den Verlauf des lang andauernden Befreiungskrieges in Viet Nam als Beispiel für die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker sowie über die Versuche der Vereinigten Staaten von Amerika, die Grundlagen der Revolution zu vernichten" (1968), „Trotzki im Exil" (1970) und „Hölderlin" (1971). Anhand dieser Stücke lässt sich ein Wandel in der politischen Haltung des Autors zeigen. Sieht er sich zunächst vorbehaltlos auf der Seite des Sozialismus und damit in einer Position, aus der heraus das kapitalistisch-bürgerliche System kritisiert werden kann, hinterfragt er später auch die eigene Stellung kritisch.

„Die Ermittlung" beschäftigt sich mit der Aufarbeitung jüngster deutscher Geschichte, dem Konzentrationslager Auschwitz und den Prozessen gegen die Täter in Frankfurt/Main (Dezember 1963 bis August 1965). Anhand der schlichten Aneinanderreihung von Fakten aus dem Prozess, der Autor bezeichnet es als „Konzentrat" der Materialien und Aussagen, versucht er das Unsagbare zu sagen und die Perfidie des NS-Systems zu beschreiben. Er verzichtet auf jegliche literarische Ausgestaltung des Geschehenen, auf die Psychologisierung des Personals oder auf die Beschreibung von Stimmungen. Ähnlich wie bei „Marat/Sade" bleibt er damit nicht bei der Beschreibung des Vergangenen, sondern impliziert eine Beziehung zum Heute, jedoch wesentlich schärfer: Bei der „Strafsache gegen Mulka und andere", stellt Martin Walser richtig fest, geht es auch um „unser Auschwitz", um die Ermittlung über eine Gesellschaft, die Auschwitz zugelassen hat, und die in den 1960er Jahren noch immer die Augen vor der eigenen Geschichte verschließt.