Peter Weiss / Biographie

Nicht nur mit seinen Werken, auch persönlich setzt sich Weiss für seine politischen Ziele ein. So nimmt er zusammen mit Jean Paul Sartre 1967 und 1973 an dem ersten und zweiten Bertrand Russels Tribunal gegen den Vietnam-Krieg in Stockholm teil.

In diese hochpolitisierte Phase fällt auch sein Trotzki-Stück (Uraufführung in Düsseldorf 1970). Er kehrt sich hier jedoch von der strengen Konzeption des dokumentarischen Theaters ab und stellt stattdessen einen exemplarischen Lebenslauf in den Mittelpunkt. Aber auch politisch verändert er sein starres Fronten-Denken. In dem Theaterstück geht um die Ermordung Trotzkis, dem Gegenspieler Stalins, und ist als Kritik am Stalinismus zu lesen. Doch der Versuch des Autors, ein Tabu im sozialistischen Lager anzusprechen und eine Diskussion darüber zu beginnen, misslingt. In der Bundesrepublik findet „Trotzki im Exil" in der aufgeladenen Atmosphäre der Studentenbewegung nur wenig Anklang, in den sozialistischen Ländern sogar offene Ablehnung. Pikanterweise wird ihm eine Verfälschung historischer Tatsachen vorgeworfen, was Weiss stark verbitterte: „... so lange der Popanz Trotzki, wie er von Stalin erfunden wurde, erhalten bleibt", schreibt er in einem offenen Brief als Reaktion auf die Kritik des sowjetischen Publizisten Lev Ginzburg, „so lange kann auch der definitiven Klärung des Stalinismus ausgewichen werden." Dennoch bezeichnet Peter Weiss den „Trotzki" als eines seiner wichtigsten Werke.

1971 entsteht das Stück „Hölderin", das gleichzeitig das Ende der bedingungslosen Parteinahme für die Sache des Sozialismus markiert. In dem Drama über das Leben des Dichters spiegelt sich Weiss' eigene Erfahrung einer Kluft zwischen dichterischer Schöpferkraft und sozialer Wirklichkeit. Zu tief sitzen die erlittenen Kränkungen durch jene, die vermeintlich auf seiner Seite stehen. Ein Gefühl, dass sich anhand seiner Aufzeichnungen in den „Notizbüchern" deutlich nachvollziehen lässt. Er stellt Hölderlin daher als einen Revolutionär dar, der an der Realität zugrunde geht. Das Stück endet mit den pessimistischen Worten: „Wir haben die Gestalt des Hölderlin so angelegt / daß er sich drinn befindet und bewegt / als spiegle er nicht nur vergangne Tage / sondern als ob die gleichen Aufgaben er vor sich habe / wie sie sich manchen von den Heutigen stellen / welche nach Lösung suchend drann zerschellen."