Literaturepoche Barock

Mit seinen Bemühungen um die deutsche Sprache und Dichtung stand Opitz allerdings nicht allein. Seinem Beispiel folgten zahlreiche namhafte Literaten der Zeit und verfaßten teils erweiterte, teils anders konzipierte Poetik-Bücher, u. a. Philipp von Zesen (1640), Johann Peter Titz (1642), Johann Klaj (1645), Georg Philipp Harsdörffer (Poetischer Trichter, 1647–50), Andreas Tscherning (1658) und Daniel Georg Morhof (1682). Nicht nur die Regulierung der Dichtkunst, sondern auch die Pflege und Förderung der deutschen Sprache war das Ziel der im 17. Jahrhundert zahlreich gegründeten Sprachgesellschaften, deren Mitglieder neben Literaten und Gelehrten sich aus Fürsten, Adligen und Hofbeamten rekrutierten. Die bedeutendste war die Fruchtbringende Gesellschaft (nach ihrem Wappen auch Palmenorden genannt), die 1617 ins Leben gerufen wurde. Daneben bestanden die Aufrichtige Tannengesellschaft (1633), die Teutschgesinnte Genossenschaft (1643), der Nürnberger Kreis der Pegnitzschäfer (1644) und der Elbschwanenorden (1658); die meisten Dichter der Zeit gehörten als korrespondierende Mitglieder einer, meist sogar mehreren dieser Vereinigungen an.

Welche zentrale Rolle die Form im Barock spielte, zeigt sich nicht nur in diesen normativ-didaktischen Bemühungen, sondern ist in den Werken selbst deutlich feststellbar. In Lyrik, Drama und Prosa bediente man sich einer großen Vielzahl rhetorischer Figuren, bei denen vor allem Metaphern und Allegorien als besonders komplexe Wort-Sinn-Verbindungen den Vorrang genossen. Vorgeprägte Schemata wurden immer wieder verwendet: antike Topoi und die zu jener Zeit zum Volksgut gewordenen Embleme charakterisieren die Dichtwerke, die oft nur durch deren Kenntnis entschlüsselt werden können.

In diesem literarischen Gestus treffen sich die zwei Tendenzen des Barock: einerseits die Vorliebe für eine Gestaltungsweise, deren Doppelbödigkeit dem Transzendenzbewußtsein entspricht, andererseits die Neigung zum Effekthaften, die sich in der virtuosen Handhabung des Sprachmaterials objektiviert. Jenseitsgewandtheit und Vergänglichkeitskult sind untrennbar verbunden mit Lebenslust, ja Lebensgier: auf der Rückseite des memento mori steht carpe diem ('Nutze den Tag').

Eine eigenartige Synthese bildeten die Jesuitendramen, deren strenge religiöse Botschaft durch einen ungeheuren Aufwand, ein theatralisches Feuerwerk, wie es bühnentechnisch erst wieder im 20. Jahrhundert erreicht wurde, bis zur Unkenntlichkeit übertüncht wurde: das Spektakel der Haupt- und Staatsaktionen stand ganz im Zeichen von Pomp und Repräsentationssucht, der Glanz der Welt, dessen Vergänglichkeit und Sündhaftigkeit demonstriert werden sollte, gab selber den Rahmen für das Dargestellte.