Literaturepoche Gegenwart: 1968 bis heute

Wesentlich geprägt wurde die Literatur ab den späten 80ern von Entwicklungen, die zumeist mit dem Begriff der „Postmoderne“ verbunden werden. Über die Frage, was genau unter dieser literarischen Postmoderne zu verstehen sei, herrscht unter Wissenschaftlern wie auch unter Künstlern Uneinigkeit; so verwenden einige die Bezeichnung für jegliche Kunst und philosophisches Denken nach der Zeit der Moderne um die Jahrhundertwende, andere verweisen eher auf das Ineinanderfließen von Kunst und Konsum und wieder andere subsumieren unter diesem Etikett vorwiegend formale Erneuerungen und Sprachexperimente. Für die Literatur dieser Jahre sind die signifikanten Merkmale etwa die Auseinandersetzung mit der Sprache als Anlass des Erzählens und die Dekonstruktion und Auflösung von Texten und Diskursen sowie die Suche nach intertextuellen Verweisen. Damit sollten gesellschaftliche Machtstrukturen, die sich in der Sprache manifestieren aufgedeckt werden und durch eine neu entworfene, eigene Sprache die durch Herrschaftsdiskurse geprägte Sprache verabschiedet werden. Zu nennen sind hier u. a. Gert Neumann (1942; Klandestinität der Kesselreiniger, 1989), Reinhard Jirgl (1953; Abschied von den Feinden, 1995; Hundsnächte, 1997) und Kurt Drawert (1956; Spiegelland, 1992.)

Sprachkritik, Dekonstruktion von Sprachstrukturen und eine neue Sprachkunst wird auch in der Lyrik der 90er Jahre erprobt. Ihre Dichter – Durs Grünbein (1962, Schädelbasislektion, 1991), Thomas Kling (1957-2005, brennstabn, 1991, nacht. sicht. gerät, 1993), Barbara Köhler (1959, Deutsches Roulette, 1991; Blue Box, 1995) oder auch Raoul Schrott (1964) und Bert Papenfuß (1956) – zeichnen sich durch Ekel an öffentlichen allgemeingültigen Phrasen und einer unbändigen Lust am Wortschöpferischen und der Erschließung neuer Sprach- und Denkräume aus. Diese Poesie wird oft als subjekt-, geschichtslos und sinnentleert kritisiert. Dem setzte eine andere Gruppierung in der Lyrik dieser Jahre die Unmittelbarkeit des menschlichen Lebens entgegen. Thema ihrer Gedichte sind die „Existentialien“ des Lebens wie Liebe, Eros und Tod (Sarah Kirsch Bodenlos, 1996; Peter Härtling Horizonttheater, 1997; Helga M. Novak (1935; Märkische Feemorgana, 1989, Silvatica, 1997;), aber auch Geschichte, Landschaften, Kindheit und Zeitläufte, sowie Darstellung des Mikro- und Makrokosmos der Welt (Volker Braun Tumulus, 1999; Günter Kunert Mein Golem, 1996). Zu dieser Gruppe sind ebenso Ulla Hahn (1946; Epikurs Garten, 1995), Hilde Domin (1909-2006) und Hans Magnus Enzensberger zu zählen.

Sprachkritik und Entwicklung eines neuen Umgangs mit ihr taucht ebenfalls bei Peter Handke, Elfriede Jelinek, Friederike Mayröcker und Ernst Jandl auf – sowohl in Prosa, Lyrik als auch Theaterstücken.