Literaturepoche Von der Jahrhundertwende bis 1933

1928 erschien Erich Kästners (1899–1974) berühmtes Kinderbuch Emil und die Detektive. Gesellschaftskritisch setzte er sich in seinem Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten (1931), einer satirischen und gleichzeitig äußerst pessimistischen Geschichte, mit der ausweglosen Situation in der Weimarer Republik auseinander. Ohne ironische Brechung, aber ebenso iIlusionslos behandelte Erich Maria Remarque (1898–1970) im vielleicht berühmtesten Antikriegsroman der Weltliteratur Im Westen nichts Neues (1929) die so oft idealisierten Frontgeschehnisse des Weltkrieges und stellte sie unbeschönigt als sinnloses Massaker dar. Auch Hans Falladas (1893–1947) Romane, allen voran Kleiner Mann – was nun? (1932), beschäftigen sich mit der als deprimierend erlebten Alltagsrealität, wobei es gerade die mitfühlende Darstellung aus der Perspektive der unteren Schichten war, die für den seinerzeitigen Erfolg seiner Bücher sorgte.

Ebenso wie die Weimarer Republik war auch die untergehende k. u. k. Monarchie Gegenstand literarischer Auseinandersetzung. Joseph Roth (1894–1939) zeichnete in seinen Romanen (u.a. Flucht ohne Ende, 1927; Hiob. Roman eines einfachen Mannes, 1930 und Radetzkymarsch, 1932) mit seiner charakteristischen, von Trauer durchzogenen Skepsis ein äußerst präzises Bild des zerfallenden Habsburger Reiches. Schärfer attackierte Ödön von Horváth (1901–1938) die verlogene Moral in der österreichischen Gesellschaft in seinen dicht konstruierten, volksstückhaften Bühnenwerken wie Bergbahn (1929), Geschichten aus dem Wiener Wald (1931). In seinem in Bayern spielenden »Erbaulichen Roman in drei Teilen« Der ewige Spießer (1930) beschrieb er die Geburt des Faschismus aus dem Geiste des Kleinbürgertums.

Die Donaumonarchie bildet zwar ebenfalls die Folie für Robert Musils (1880–1942) weltliterarisches Opus Der Mann ohne Eigenschaften (entstanden 1930–42; die ersten beiden Teile erschienen 1931 und 1933), doch ist die gesellschaftskritische Komponente nur ein – wiewohl zentraler – Aspekt dieses Romans. Denn die Metropole Wien und die Hauptfigur Ulrich stehen für einen die gesamte abendländische Zivilisation betreffenden Zustand: den Zusammenbruch eines jahrhundertealten Wertesystems, das mit der Relativierung aller festen Größen in sich selbst den Keim für den Untergang gelegt hat.