Literaturepoche Romantik

Vor allem die frühe Romantik hatte eine sehr progressive Auffassung von der Rolle der Geschlechter und der Form partnerschaftlicher Beziehungen. Zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Literatur traten Frauen nicht mehr als zufällige Einzelerscheinungen, sondern als gleichberechtigte, teils sogar zentrale Gestalten des literarischen Lebens ins Rampenlicht: Karoline Schlegel-Schelling (geb. Michaelis), die Frau von August Wilhelm Schlegel und seit 1803 des Philosophen Wilhelm von Schelling, war der Mittelpunkt des romantischen Zirkels in Jena und verkörperte das Bild der unabhängigen, selbstbewußten Frau. Als ihr Berliner Gegenstück kann Rahel Varnhagen von Ense, geb. Levin angesehen werden, deren Salon der Treffpunkt für alle Dichter, Künstler und Philosophen der Romantik war; ihre Briefe (1834 von ihrem Mann herausgegeben unter dem Titel Rahel. Ein Buch des Andenkens für ihre Freunde) sind ein wertvolles Dokument der frühen Emanzipationsbewegung in Deutschland.

Dorothea Schlegel, die Tochter des Aufklärers Moses Mendelssohn, vor ihrer Ehe mit Friedrich Schlegel mit dem Bankier Simon Veit verheiratet, war selber als Schriftstellerin (Romanfragment Florentin, 1801) und Übersetzerin (Corinna von Madame de Staël) tätig. Auch Bettina von Arnim, die Schwester Clemens Brentanos, trat – allerdings erst nach dem Tod Achim von Arnims – literarisch hervor und fand mit ihrem verklärenden, teils sehr frei umgearbeiteten Band Goethes Briefwechsel mit einem Kinde (1835) große Beachtung. 1840 schrieb sie Die Günderode, eine Biographie über die tragischste Frau der deutschen Romantik.

Wie Friedrich Schlegel und Novalis hat auch Ludwig Tieck in seinem Roman Franz Sternbalds Wanderungen, eine altdeutsche Geschichte (1798) einen Künstler in den Mittelpunkt gestellt, dessen Wandern ohne eigentliches Ziel ein weiteres Beispiel für das romantische Ur-Konzept bietet, wie in Heinrich von Ofterdingen ist der Schauplatz der Handlung das Mittelalter. Ein Jahr zuvor hatte Wilhelm Heinrich Wackenroder mit den Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders, an deren Entstehung Tieck beteiligt war, eine Bekenntnisschrift veröffentlicht, die nicht nur eine durch und durch romantische Äußerung eines tief erschütterten, ganz von subjektiver Innerlichkeit beherrschten Lebensgefühls war, sondern auch – gewissermaßen als Gegenstück zu Winckelmanns Erschließung der griechischen Antike für die Klassik – eine poetische Entdeckung des Mittelalters.