Literaturepoche Romantik

Ein weiteres Kennzeichen Müllers, seine Begeisterung für den damaligen Freiheitskampf der Griechen (die ihm den Beinamen Griechenmüller eintrug), stellt einen direkten Bezug zur europäischen Romantik her: diese z. T. als Gräkomanie belächelte Haltung hatte prominente Vertreter: kein geringerer als Byron rekrutierte Truppen, um in den Krieg gegen die osmanische Herrschaft einzugreifen. Er starb in Mesolongion, am Golf von Piräus. Dies zeugt vom politischen Protestpotential der romantischen Idee, die in Frankreich, Italien und Spanien ebenso wie in Rußland und Polen eine Generation von jungen, idealistischen Dichtern erfüllte.

Eine deutsche Sonderentwicklung besteht in der Geburt des Reaktionären aus dem Geist der Romantik: auf der einen Seite mehrten sich die – ursprünglich z. T. progressiv motivierten – nationalen Töne, die von Autoren wie Ernst Moritz Arndt (Der Gott, der Eisen wachsen ließ, Was ist des Deutschen Vaterland?) und Justinus Körner (Leyer und Schwert, 1814) zunehmend mit einer konservativen Haltung verbunden wurden; der Publizist Joseph von Görres etwa wirkte nach einer kurzfristigen Verbannung wegen seines Buches Deutschland und die Revolution (1819) als christlich-konservativer Essayist und Herausgeber. Im Vergleich zu anderen war Eichendorff trotz seiner unverhohlen anti-revolutionären Gesinnung ein vergleichsweise eigenständiger und toleranter Geist. Brentano glitt in einen mystischen Katholizismus, und Friedrich Schlegel, der im Athenaeum die Französische Revolution noch als eines der herausragendsten Ereignisse seiner Zeit bezeichnet hatte, wechselte nach einem Jahrzehnt ins katholisch-konservative Lager und sah als dezidierter Anhänger der Restauration im monarchistischen System den Garant aller christlich-abendländischen Werte.

So ging die deutsche Romantik nicht, wie im übrigen Europa, aufgrund ihres inhärenten Protestpotentials in einen sozialkritisch eingestellten Realismus über, sondern hörte mehr oder weniger auf zu sein. Aus dieser Entwicklungslinie erklärt sich auch die 'Zweiteilung' der Folgezeit, in der das sogenannte Biedermeier eine formale, allerdings apolitische Synthese und Weiterentwicklung der klassischen und romantischen Position verwirklichte, während die revolutionären Ansätze in radikalisierter, vorwiegend unpoetischer Version im literarischen Vormärz wieder zum Ausdruck kamen.