Prof.Dr. Cengiz Abdullayev... "Die Auswanderung von Deutschen in den Sudkaukasien"

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Die Auswanderung von Deutschen in den Südkaukasien

Tschingis A.
Abdullayev

Doktor für
Kulturologiewissenschaften

Prof. der Bakuer
Slawischen Universität

      Vorsitzende
der Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft e.V.

 

 

Die tiefen Wurzeln der
deutsch-aserbaidschanischen Beziehungen gehen ungefähr auf das 15. Jahrhundert
zurück. Die Namen von im 15. Und 16. Jahrhundert in Aserbaidschan gewesenen
Reisenden, Wissenschaftlern und Diplomaten wie Stielberg, Tektander, Olearus
und Kämpfer möchte ich hier ausdrücklich erwähnen. Die Texte von A. Olearus,
der damals in der aserbaidschanischen Stadt Schamachi gelebt und gearbeitet
hat, sowie die handschriftlichen Reiseberichte und Gemälde von E. Kämpfer, die
bis heute im britischen Museum aufbewahrt werden, kommen aus dem Interesse an
aserbaidschanische Geschichte und Kultur her. In seinen auf Lateinisch
geschriebenen Reiseberichten hat er die Geschichte, Architektur, Traditionen,
Handelsbeziehungen, überhaupt die Lebensart der Aserbaidschanern in jener Zeit
widerspiegelt. Aus dieser Hinsicht ist das neue Buch, welches nach den
Forschungen von dem deutschen Wissenschaftler Dr. Lothar Weiss erschienen wurden,
ist ein wertvoller Preis für aserbaidschanische Geschichte und Kultur.

Die
deutsche Kulturschicht wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu den
soziokulturellen Schichten Aserbaidschans mit multikulturellen Werten
hinzugefügt. Nach dem Krieg mit Napoleon war die Lage des deutschen Volkes
unerträglich. Als Folge davon begann ein Emigrationsstrom aus Deutschland. Zwischen
1816-1817 verließen über 1400 Familien (etwa 6000 Personen) verteilt auf 15
Kolonnen ihre Heimat. Der erste Verband, der aus 40 Familien bestand, kam mit
Mühe und Not in Tiflis an und legte nicht weit von der Stadt den Grundstein der
ersten Kolonie – Marienfeld. Einige
„Kolonien“ wollten nicht mehr weiter ziehen und siedelten sich in Odessa an.
Die anderen aber zogen es vor, sich auf den Weg in den Kaukasus, zu ihren
Landsleuten zu machen. Sie fuhren durch Cherson, Rovno, Rostov, Stawropol,
Mosdok u.s.w. Hunderte von ihnen starben an Krankheit, Epidemien und Kälte.
Aber trotz aller Schwierigkeiten erreichten sie ihr Ziel.

Etwa
500 Großfamilien gründeten 1818 nahe Tiflis,
unterstützt von der russischen Regierung, acht Kolonien. In der Umgangssprache hießen
sie bald die „Schwabendörfer“. Der größte Ort war  Katharinenfeld
(heutige Bolnisi). Die älteren Kolonien 8, 9 und 10 bekamen vom Staat die
Genehmigung zur Ansiedlung in Jelisawetpol in Aserbaidschan. Nach Georgien wanderten
zwischen 1817 und 1819 2.629 schwäbische radikale Pietisten ein. Am 18.Dezember
1818 kamen die ermüdeten Wanderer in Begleitung der Kasake in Jelisawetpol an
(Jelisawetpol ist der neue Name der alten Stadt Gandscha). Die Stadt wurde
später zu Ehren von Jelisaweta in Jelisawetpol, Anfang des 20.Jahrhunderts dann
in Kirowabad umbenannt. Im Jahre 1990 erhielt die Stadt endlich wieder ihren
früheren Namen.   

Darüber hat
in der Zeitung  „Sprachnachrichten (März,
2010)“ Herr Holger Klatte einen Artikel geschrieben.  In diesen Artikel geht es um die deutschen
Kolonien. Es gibt nur wenige Menschen in Georgien, die Deutsch (Schwäbisch) als
Muttersprache gelernt haben. Irma Mayer ist eine von ihnen. Sie erinnert sich
gern an ihre Kindheit und an das Leben in Katharinenfeld: „Ich habe die
deutsche Schule besucht. Im Dorf haben wir oft auch russisch gesprochen. Ab
1818 erhielten die Siedler die Erlaubnis, in der Hauptstadt Tiflis selbst und
ihrer Umgebung acht Kolonialdörfer zu gründen: Marienfeld, Alexsandersdorf,
Petersdorf, Katharinenfeld, Elisabethtal, Helenendorf und Annenfeld (die
letzten zwei Ortschaften liegen heute  in
Aserbaidschan). Zum größten Ort, mit zeitweise 116 Familien, entwickelte sich
Katharinenfeld. Es gab Sportvereine, eine deutsche Zeitung, eine Schule und
eine Theatergruppe. 1873 wurde eine lutherische Kirche gebaut.“

MarienfeldElisabethtalAlexandersdorf 
und  Petersdorf  machten wegen ihrer schnurgeraden, gepflasterten
Straßen von sich reden. Von diesen ersten Kolonien spalteten sie später weitere
Siedlungen ab, wie Freudenthal (1842)
und Alexanderhilf (1857).

Auch in
Tiflis siedelten sich deutsche Kolonisten an. Sie bauten den deutschen
Stadtteil Neu Tiflis, arbeiteten als Handwerker, Kaufleute und Hoteliers.
Es entstanden ein deutsches Gymnasium und eine evangelisch-lutherische Kirche.

In Abchasien entstanden
die Siedlungen  Neudorf,  Lindau und
Gnadenberg bei Sochumi. 1918 gab es in Georgien mehr als 20 von Kaukasien
Deutschen gegründete Dörfer.

Von 1906
bis 1922 verlegte Kurt von Kutschenbach in Tiflis die deutschsprachige
Wochenzeitung „Kaukasische Post“, die sich die „einzige
deutsche Zeitung im Kaukasus“ nannte. Chefredakteur war der Schriftsteller
und Journalist Arthur Leist.

Heute kann
man auch in den verschiedenen Ausgaben der Zeitung „Kaukasische Post“
umfassende Artikel über die deutschen Kolonien in Transkaukasien sehen. Der
Autor schreibt in diesen Artikel wie die Deutschen in Transkaukasien ihre
Kolonien gegründet und wie dort gelebt haben.

Die erste
deutsche Kolonie in Aserbaidschan war 1818 Alt Katharinenfeld  (wurde
1819 wieder aufgegeben), eine weitere kurz darauf auf der anderen Seite des
Flusses Schamchor in Annenfeld. Helenendorf, das heutige Göygöl, wurde 1819 von 194 schwäbischen
Familien gegründet. Sie kamen über den Nordkaukasus und Tiflis nach
Aserbaidschan. Helenendorf
wurde
zur größten deutschen Siedlung in Aserbaidschan. 1854-1857 wurde dort die erste
evangelisch-lutherische Kirche im
Land errichtet.

Es
ist kein Zufall, dass im Jahr 1819 aus Baden-Württemberg ungefähr fünf tausend
deutsche Familien nach Aserbaidschan eingewandert sind, um hier zu leben. Kurz
nach ihrer Einwanderung haben sie sich im Westen Aserbaidschan in der damaligen
Provinz Gandscha eingesiedelt. Der Bau der neuen Schulen, Kirchen, Weinfabriken
in überwiegend von deutschen besiedelten Helenendorf
(Goy-Gol)  und Annenfeld (Shamkir), der
Kupferbergbau von Siemens in Gadabay, die Verlegung der Telefonleitungen, der
Bau der neuen Eisbahn und Brücken waren von der Reihe der ersten Infrastrukturprojekte
in Aserbaidschan im 19. Jahrhundert. 

Im Ort gab
es fünf Fußballmannschaften, eine deutsche Zeitung, eine Grundschule, eine
lutherische Kirche mit Chor, einen Jägerverein, eine Theatergruppe und einen
Stadtpark. 

Zwischen
1888 und 1914 entstanden sechs weitere deutsche
Gemeinden: Georgsfeld (1888), Alexejewka (1902), Grünfeld sowie Eichenfeld (1906),
Traubenfeld (Tovuz) (1912) und Jelisawetinka (1914).

Im Jahre
1821 unternahm Johann Jakob Kraus, der Pastor war, Anstrengungen, ein
Gebetshaus zu bauen, das schließlich im Jahre 1834 fertig gestellt wurde. Die
erste Schule wurde 1842 errichtet. Die Umsiedler Kristian Gottlob Kraus und
Georg Heinrich Hummel arbeiteten lange Jahre an dieser Schule. Am 24.April 1854
wurde der Grundstein zum Bau der Heiligen Johanneskirche gelegt. In dieser
Kirche werden die historischen Informationen über das Leben der Umsiedler
aufbewahrt, denn jedes Volk sollte sein nationales Gedächtnis haben. Bei der
Entwicklung der Kirchengemeinde spielte der Verkünder Johann Jakob Stuber eine
große Rolle. Oft hielt er hier Vorträge über die Kirchengeschichte. Der Gründer
der ersten deutschen Schule im Kaukasus war Albert Kirchhoff, der erste
Diplomlehrer, der hier unterrichtete. Im selben Zeitraum war Meister Müller an
dieser Schule 23 Jahre als Lehrer tätig, er eröffnete auch den ersten
Kindergarten. Am 22.Nowember 1890 wurde die Helenendorfer Schule zur
Berufsfachschule, weil die Menschen erkannt hatten, dass dies von wesentlicher
Bedeutung für ihr Volk war. Die Entwicklung der Kultur in allen Bereichen des
Lebens der Siedler ist mit dem Namen Predigers Baron von Engelhard verbunden. Aufgrund
seiner Initiative wurden hier die erste Handelsschule für junge Leute, die
Evangelia Kirchengemeinschaft und andere Gemeinschaften gegründet.  Ab 1893 begannen die Helenendorfer
öffentliche Zusammenkünfte durchzuführen. Die Mitglieder dieser Sitzungen kamen
regelmäßig zusammen und musizierten und sangen religiöse Lieder. Trotzdem war
das Leben der Siedler nicht frei. Die öffentliche Ordnung war stark
reglementiert durch Gesetze und Selbstdisziplinierung der Angehörigen der
deutschen Kolonie. Der Leiter der Kolonie, Schulz wurde zum Ältesten ernannt
und war für die Wirtschaft und die Mechanismen des materiellen wie geistigen
Lebens der Gemeinden verantwortlich. Er konnte die Menschen auch physisch
strafen. Ohne Genehmigung von Schulz durfte niemand die Kolonie verlassen. Die
Führer hatten eine „schwarze Liste“ mit den Namen der
„liederlichen“
Menschen. Die lutherische Kirche in Baku
wurde von 1895 bis 1897 auf Initiative der deutschen Einwohner gebaut und am
14.März 1899 eingeweiht. Die deutschstämmigen Bakuer forderten von dem
Architekten Eichler, die Kirche nach Art der Kirche in Helenendorf zu bauen.
Bis zu dieser Zeit war das System des architektonischen Stils streng geregelt.
Die Verordnung vom Präsidenten Alijew über die Restaurierung der in den 1895-1897
in Baku gebauten deutschen Kirche war einer von seinen humanistischen
Schritten. Im 2010 nach der Restaurierung neueröffnetes Kunstwerk besitzt auch
einen Konzertsaal für Kammerorgel, wo viele Konzerte der aserbaidschanischen
und deutschen Musiker stattfinden.

Außerdem Helenendorf gab es noch andere Kolonien in
Aserbaidschan, z.B. die „Annenfelder“,
die zweite große Kolonie. Hierher zogen hauptsächlich die Siedler aus
Helenendorf. Ungefähr 107 Siedlerfamilien siedelten sich am Westufer des
Schamchorkaflusses an. Im Jahre 1897 entstand daraus das unabhängige
Georgsfelddorf. Später wurde dieses Dorf in Georgiewski und im Jahre 1941 in
Lenindorf – nach Lenin umbenannt. Im Sommer 1911 zogen 15 Familien in den
Kasachstan-Rayon der Elisawetpol-Verwaltung. Die vierte Kolonie hieß Grünfeld
und die fünfte Kolonie Eigenfeld, sie lag westlich von Helenendorf und
Annenfeld.  Später wurde diese Kolonie in
Engelsfeld und im Jahre 1941 in Engelsdorf unbenannt und besteht zurzeit als
eine Siedlung in Schämkir. Zu jener Zeit gab es in Kasachstan schon deutsche
Kolonien, wie z.B. Alexeewka und Traubenfeld.

Während des zweiten
Weltkrieges erhielt der Gouverneur von Gandscha ein Telegramm betreffend die
Deutschen in Kaukasus. Im Telegramm stand, dass die Einwohner der deutschen
Dörfer in 4 Gruppen aufgeteilt werden sollten: das Vermögen der ersten Gruppe
wurde mit 60 Goldmark, da der zweiten Gruppe mit 40 Goldmark und das der
dritten Gruppe mit 20 Goldmark bewertet, obwohl Haus und Acker,
landwirtschaftliches Gerät, Pferde und Vieh der Ärmsten der deutschen Bauern
einige Hundert Goldmark Wert waren. Am Ende spitzte sich das Telegramm tragisch
zu: Auf der Grundlage der festgesetzten Preise wurde ihr Vermögen an andere
Menschen – ausschließlich christlichen Glaubens – übergeben und die Deutschen
wurden nach Sibirien verbannt. Diese Ungerechtigkeit erschütterte die Menschen
in Gandscha.

Die Ältesten der Stadt
beschlossen, dass Alekber-Bai den Gouverneur von Gandscha aufsuchen und einen
Ausweg aus dieser Situation finden sollte. Nachdem der Beschluss angenommen
worden war, ging Alekber-Bai zum Gouverneur Kowalyov, erklärte ihm den Grund
seines Kommens und sagte: „Kein anderer Mensch war in Gandscha oder anderen
Kreisen des Kaukasus für eine so lange Zeit Gouverneur wie Sie. Unser Volk hegt
große Achtung für Sie. Sie sind in ganz Gandscha als gutmütiger Gouverneur
bekannt. Alle wissen, dass es für Sie keine Türken, Armenier, Moslems und
Christen gibt“.

Der Versuch von Alekber-bai
zeigte sofort Wirkung und die russische Regierung nahm ihren Beschluss zurück.
Als die deutschen Bauern davon erfuhren, kamen sie zu Räfibeili, um ihm ihren
Dank anzusprechen.

In den 60er Jahren des
19.Jahrhunderts kamen einige Familien, die sich mit der Molkerei befassten, aus
der Schweiz nach Aserbaidschan. Zu Beginn der 1920er Jahre lebten über 500
Menschen in den 7 deutschen Gemeinden. Darüber wurden von der
Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft einen Film verfilmt und Selma Strasser
und Ella Gur hatten darüber viel gesprochen.

Anfang des Jahres 1900
nahmen hier die Weinproduktion und der Außenhandel starken Aufschwung. Schon in
den 1870er Jahren hatte jede Familie jährlich
1000-1500
Fässer Wein hergestellt. In den Kellern, unter jedem Haus, waren riesige
Weinbehälter. Die Produkte dieses Dorfes waren schon damals fast überall
berühmt. Die Handelshäuser „Brüder Forer“ und „Brüder Hummel“ lieferten ihre
hochwertigen Erzeugnisse aus, gleichzeitig verfügten sie über ein spezielles
Markenzeichen.

Die
Entwicklung der Weinindustrie in Aserbaidschan ist eng mit den Namen der Brüder
 Forer und Hummel verbunden.

Der Jahresbeginn ihrer
Weinfirmen betrug im Jahre 1914 eine Million Manat.

 Im Jahre 1912 ließen die Brüder Forer eine
Mühle in Helenendorf bauen. Im wirtschaftlichen und kulturellen Leben Helenendorfs
spielten u.a. die Brüder Andreas und Albert, die Brüder Friedrich und Gottlob
Wacker, Karl Zechinia, Ernst Kerero Eduardo Frike Namen korrekt eine große
Rolle.

Im Jahre 1917 kamen die
Bolschewiken in Russland an die Macht. Zu der Zeit verkündete auch
Aserbaidschan seine Souveränität und am 28. Mai 1918 wurde die
Aserbaidschanische demokratische Republik 
(ADR) gegründet. Die Politik der höchsten Kultur und Demokratie der ADR
gab den nationalen Minderheiten in Aserbaidschan die Möglichkeit, ihre Selbstverwaltung
und Kultur zu entwickeln. Das Parlament Aserbaidschans achtete besonders auf
die Entwicklung der Kultur, Wirtschaft und das Lebensniveau der deutschen
Siedler. Am 7.Dezember 1918 wurde das Parlament der ADR eröffnet. Als Vertreter
der nationalen Minderheiten wurde Lorenz Jakowlewitsch Kun, der Älteste  aus Helenendorf im Gouvernement von Gandscha,
zum Parlamentsmitglied gewählt. Er gehörte gleichzeitig der Agrarkommission des
Parlaments an. Selbst die deutschen Umsiedler schätzten das hoch in und fassten
den Beschluss: „Den Dorfältesten L.I.Kun zum Abgeordneten des
aserbaidschanischen Parlaments  aus dem
Helenendorfer Territorium Aserbaidschans wählen“. (Auszug aus dem
Versammlungsprotokoll des Deutschen Nationalrates vom 26.Nowember 1918, Helenendorfer
Kolonie.)

Die deutschen Vertreter
nahmen am Parlament und an der Regierung aktiv teil, so war A.E.Kluge bei der Untersuchung
der Tragödien, die die armenischen Daschnaken den Moslems während der
Märzereignisse 1918 zufügten, besonders rührig.

Im Juni 1919 wurde der
100.Jahrestag Helenendorfs festlich gefeiert. Dieses Vorhaben fand große
Resonanz im Parlament. Dessen Vorsitzender schickte den Siedlern ein
Gluckwunschtelegramm:

„An den Vorsitzenden des
Gandscha-Komitees der Helenendorfer Kolonie! Der Oberste Sowjet des
aserbaidschanischen Parlaments gratuliert den Helenendorfer Einwohnern zum 100.
Jahrestag der Kolonie und wünscht diesem kleinen Kreis große Erfolge und
ertragreiche Leistungen.

Der Vorsitzende des
Parlaments: Agaew 8.Mai 1919“.

Die älteren Menschen
erinnern sich bis zum heutigen Tag an diese Kolonien mit ihren klugen und
zuverlässigen Menschen. Den ersten Winter verbrachten wir in einer einfachen
Unterkunft. Wir hatten nicht genügend Holz. Die Zahl derer, die vor Hunger und
Kälte starben, nahm von Tag zu Tag. Von 115 Menschen blieben 95. Es war gut,
dass wir Arbeit hatten. Wir bauten ein Verwaltungsamt, eine Schule und eine
Mühle. Wir hatten eine reiche Ernte, das Vieh vermehrte sich und Wein wurde
angebaut. Der Grundstein von Katarinenfeld wurde so mit viel Mühe und Not
gelegt.

Vor einigen Jahren feierte
Marie Andris, die in Helenendorf in Chanlar geboren ist, ihren 100-jährigen
Geburtstag. Bevor sie damals, nach dem Tod ihres Mannes Albert, mit ihrer
kleinen Tochter Selma in die für Deutsche alles beherrschende Gefangenschaft
nach Sibirien deportiert wurde, hieß sie Andris. Sie stammte aus einer Familie,
die zu Beginn des Jahrhunderts aus der Karlsruher Gegend in den Kaukasus
ausgewandert war. Die einzige Tochter wurde 1921 geboren. Als Stalin 1956
starb, durften die Deutschen nach Kirgisistan umsiedeln. Im Jahr 1976 kam die
Familie nach Chemnitz und wohnt seit 1987 in Horchheim.

Wenn ich mich nicht irre,
lebt zurzeit Selma Strasser in der Stadt Winningen. Am Ende des Jahres 1993 zog
Marie bedingt durch die Krankheit Selma Strasser ins DRK-Amandus-Stift und
unterhielt die Pflegerinnen mit detaillierten Erzählungen aus der Heimat. Am
Geburtstag –Jubiläum nahm auch der Bürgermeister Gerd Lauber teil.

In den 1920-er Jahren kamen
die deutschen Dörfer  Marxowka  und  Kirowka  hinzu. Ihre
Gründer stammten aus den Ursprungsgemeinden um Helenendorf und Annenfeld. In
den 1920-er Jahren gab es mehrere deutschsprachige, kommunistische Zeitungen,
die auch staatliche Unterstützung erfuhren, darunter etwa Lenins Weg und Bauer und Arbeiter.

Der deutsche Konsul
in Konstantinopel schätzte die Anzahl der in
Aserbaidschan lebenden deutschen Kolonisten 1918 auf rund 6.000 Menschen.

Hadschar Werdiyeva hat in
seinem Buch „Deutsche in Nordaserbaidschan (Baku, 2009)“ über die Deutschen
Kolonisten, über die Geschichte der Gründung der Deutschen Kolonien in
Nordaserbaidschan und über die Umsiedlungsgeschichte der Deutschen umfassend
geschrieben.

Nicht nur die aserbaidschanischen
Autoren, als auch die deutschen Autoren haben darüber viele Bücher und Artikeln
geschrieben. Z.B  Hans Hermann Graf von Schweinitz  "Helenendorf
eine deutsche Kolonie im Kaukasus (Berlin 1910)",   Ernst Allmendiger
"Katharinenfeld, ein deutsches Dorf im Kaukasus (1989)", Wolfgang
Molitor „Damals in Helenendorf. Die deutsche Geschichte in den entwickelnden
Aserbaidschan ( Stuttgarter Nachrichten - 29.03.2014)“ , Eva - Maria Auch  „Deutsche Spuren in Aserbaidschan  (Baku 2014)“ und andere.

Genau um diese Geschichte
zu bewahren, zum Andenken an das 190. Jahr der deutschen Einsiedlung in
Aserbaidschan erfolgten zwischen 2008-2010 einigie Internationale Konferenzen
und Fotoausstellungen in Stuttgart, im Institut für Auslandsbeziehungen, an dem
Goethe Institut Tbilisi, an der Bakuer Slawischen Universität und im deutschen
Kulturzentrum in Moskau. Bei diesen Veranstaltungen wurde es betont, dass die damaligen
freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Aserbaidschan auch
heutzutage nicht vergessen werden.

Das jahrhundertealte
Toleranzumfeld in Aserbaidschan hat günstige Bedingungen für eine tiefere
Kommunikation zwischen den im 19.Jahrhundert umgesiedelten  deutschen Umsiedlern und der lokalen
Bevölkerung geschafft. 

Obwohl sie gezwungen waren,
diese Plätze während des Zweiten Weltkrieges zu verlassen, blieben ihr
kulturelles und historisches Erbe hinter ihnen zurück. Und das
aserbaidschanische Volk hat an dieser multikulturellen Natur treu geblieben
und  alle diese Erben wurden  vom aserbaidschanischen Volk bis heute
bewahrt.

Gegenseitiger Respekt und
Verehrung für nationale Werte zueinander ist das Hauptmerkmal der kulturellen
Beziehungen zwischen Aserbaidschan und dem deutschen Volk.

Die deutschen Orientalisten
spielten eine große Rolle bei dem künstlerischen Erbe des aserbaidschanischen
Volkes zur Welt bekannt zu machen und die deutschen Architekten leisteten
wertvolle Beiträge zur Stadtkultur in Aserbaidschan.

Um alle diese historischen
und kulturellen Beziehungen zwischen zwei Ländern nicht zu vergessen und immer
zu verewigen, hat Herr Ilham Aliyew, Präsident der Aserbaidschanischen Republik
 am 30.07.2016 eine Verfügung über den
200. Jahrestag der Ankunft der ersten deutschen Siedler im Südkaukaukasien
herausgegeben.

Im Jahr 2017 jährt sich die
Ankunft der ersten deutschen Siedler im Südkaukaukasien zum 200. Male.

Im Erlass des Präsidenten
heißt es: „Es ist denkwürdig, dass der 200 Jahrestag der Ankunft der ersten
deutschen Siedler im Südkaukasien auf das „UNESCO-Programm der Jubiläen von
hervorragenden Persönlichkeiten und bedeutenden Ereignisse für die Jahre
2016-2017“ gesetzt worden ist. Die deutschen Siedler haben tiefe Spuren in der
Geschichte und Kultur des aserbaidschanischen Volkes hinterlassen.“

Nach dem Erlass wurden das
Ministeriums für Kultur und Tourismus und das Ministerium für auswärtige
Angelegenheiten beauftragt, zusammen mit der Nationalen Akademie der
Wissenschaften Aserbaidschans ein Sonderprogramm für Veranstaltungen zum 200.
Jahrestag der Ankunft der deutschen Siedler im Südkaukasien aufzustellen. Und
das Ministerkabinett wird aus diesem Erlass hervorgehende Probleme lösen.

ZUM 200-JÄHRIGEN JUBILÄUM
DER AUSWANDERUNG VON DEUTSCHEN IN DEN KAUKASUS sind einige Veranstaltungen
sowohl im Ausland, als auch in Aserbaidschan stattgefunden.

Am 21. Mai 2017 wurde an
der Ulmer Stadtmauer am Donauschwabenufer die Gedenktafel der Deutschen aus
Russland angebracht. Es fand ein Festakt mit der Enthüllung der Gedenktafel der
Deutschen aus Russland am Donauschwabenufer in Ulm statt. Die Tafel erinnert an
Tausende deutsche Auswanderer, die sich vor 200 Jahren über die Donau Richtung
Schwarzes Meer und Südkaukasus auf die Suche nach einer neuen Heimat gemacht
haben. Mit der Errichtung der Gedenktafel an ihre Vorfahren ging der jahrelange
Traum der Deutschen aus Russland in Erfüllung.

Im Stuttgart fand  ein FESTAKT ZUM 200-JÄHRIGEN JUBILÄUM DER
AUSWANDERUNG VON DEUTSCHEN IN DEN KAUKASUS auch statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dabei ist auch eine
Ausstellung zur Geschichte der Kaukasusdeutschen organisiert. Von dem
Nationalen Museum für Geschichte von Aserbaidschan und von dem Institut für
Geschichte und von der 
Deutsch-Aserbaidschanischen Gesellschaft organisierten  Ausstellungen,  Konferenzen und die Veröffentlichung der
Sammlung  ist eine Aufmerksamkeit an die
Geschichte der

Deutschen in Aserbaidschan.

 

 

 

 

 

 

Die
Deutsch-Aserbaidschanische Gesellschaft hat an dieses historische Ereignis
einen Film „Die zweite Heimat“ gewidmet. Dieser Film ist ein Geschenk für die
zukünftigen Generationen, um diese Geschichte zu erneuern.

Am Anfang des Oktobers 2017
fand  in Tiflis einen Treffen im Büro
„Einung“- des Assoziation der Deutschen  aus
 Georgiens  und  in  Bolnisi  (Katarinenfeld)  statt und dauerte mit dem Musikprogramm  und Kunstausstellungen fort.

Die von der Zentralstelle
für Auslandsschulwesen (ZfA) in Göjgöl und in Baku organisierte Veranstaltung,
gewidmet dem 200.jährigen Jubiläum der deutschen in Kaukasien   wird 
im Gedächtnis  der Schüler ewig
bleiben.  

In der Stadt Odessa
(Ukraine) wurde mit der Unterstützung Konrad-Adenaur-Stiftung  ein Seminar zum Thema „Deutsche Minderheiten
als Brücke“ organisiert. Mit der Einladung des Rates der Deutschen der Ukraine
wurden ein Lehrerin und ein Student von der Bakuer Slawistischen Universität
zum Seminar eingeladen und sie hatten einen interessanten Vortrag zum Thema
"Deutsche
Kolonien
in Aserbaidschan" gehalten.

In der UNESCO-Residenz in
Paris (Frankreich) wurde mit der Unterstützung des Ministeriums für Kultur und
Tourismus Aserbaidschans eine Fotoausstellung, gewidmet  dem 200. jährigen Jubiläum  präsentiert. In dieser Ausstellung wurde
nochmals deutlich,   dass Aserbaidschan ein multikulturelles Land
ist und hier Toleranz eine große Rolle spielt.  

Ich bin in der Meinung,
dass man dieses historische Ereignis mit den organisierten Veranstaltungen nicht
vergisst und auf der Initiative zukünftiger Generationen fortgesetzt wird.

 

 

 

 

 

 

 

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