Literaturepoche Nachkriegsliteratur (1945-1968)

Von Dr. Roland Kroemer und Christa Melli

Der 8. Mai 1945, der Tag der Kapitulation Deutschlands, steht für das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Beginn einer neuen Epoche. Nach zwölfjähriger Herrschaft der Nationalsozialisten lag Deutschland in Schutt und Asche. Doch so wenig es soziokulturell eine „Stunde Null“, den vollkommenen Neuanfang, gab, so wenig begann auch die Literatur dieser Tage ganz von Neuem. Die Nachkriegsliteratur in den von den Westmächten kontrollierten Besatzungszonen – der späteren Bundesrepublik – wurde zunächst durch jene Autoren geprägt, die an die konservativen ästhetischen Traditionen anknüpften. Erfolgreich und tonangebend waren insbesondere jene Schriftsteller, die während der Hitlerzeit in Deutschland geblieben waren und sich nach dem Krieg als Repräsentanten der „Inneren Emigration“ verstanden: so etwa Hans Carossa, Georg Britting, Werner Bergengruen, Ernst Penzoldt, Gertrud von Le Fort oder Frank Thiess.

Doch neben ihnen gab es eine ganze Reihe wirklicher Exilanten, die sich mit der neuen alten Heimat schwer taten. So wie Thomas Mann, der sich weigerte, in das ihm fremd gewordene Deutschland zurückzukehren, wie er in einer öffentlichen Rede aus seinem amerikanischen Exil verlautbarte. Er begründete dies unter anderem mit der vielzitierten Bemerkung, die im „Dritten Reich“ entstandene Literatur sei mit „Blut und Schande“ befleckt. Thiess, der 1941 mit dem Reich der Dämonen einen regimekonformen Roman veröffentlicht hatte, wurde nun zum Wortführer im öffentlichen Streit gegen Thomas Mann. Polemisch wertete er die emigrierten Schriftsteller ab und stellte die von ihm gewählte Form des „Inneren Exils“ als eine moralisch redlichere dar. Solch eine ablehnende, skeptische Haltung den literarischen Emigranten gegenüber war im westlichen Teil Deutschlands weit verbreitet, so dass es kaum verwundert, dass nur wenige der emigrierten Autoren je dorthin zurückkehrten.

Anders verhielt es sich mit der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) – der späteren DDR –, deren linkspolitische und deutlich antifaschistische Ausrichtung zahlreiche Exilschriftsteller anzog. Unter ihnen auch Bertolt Brecht, Anna Seghers, Arnold Zweig, Stephan Hermlin, Stefan Heym, Bruno Apitz und Johannes R. Becher. Die in den Ostteil Deutschlands Heimgekehrten glaubten zunächst, an die politischen und literarischen Traditionen der Weimarer Republik anknüpfen zu können. Schon bald aber mussten sie erkennen, dass sie ihre künstlerisch-literarischen Vorstellungen in der DDR, die vier Jahre nach Kriegsende gegründet wurde, nicht unreglementiert verwirklichen konnten.