Bertolt Brecht / Biographie

Von Dr. Clarissa Höschel

Ich, Bertolt Brecht, bin aus den schwarzen Wäldern.
Meine Mutter trug mich in die Städte hinein
Als ich in ihrem Leibe lag. Und die Kälte der Wälder
Wird in mir bis zu meinem Absterben sein.

[...]

Bei den Erdbeben, die kommen werden, werde ich hoffentlich
Meine Virginia nicht ausgehen lassen durch Bitterkeit
Ich, Bertolt Brecht, in die Asphaltstädte verschlagen
Aus den schwarzen Wäldern, in meiner Mutter, in früher Zeit.

So beginnt und endet das Selbstporträt mit dem Titel Vom armen B. B., das Brecht 1927 für seine Gedichtsammlung Hauspostille verfasst. Zwischen diesen beiden Strophen wird auf sieben weiteren Strophen die Isolation thematisiert, der sich Randfiguren der Gesellschaft vor allem in der immer wieder evozierten Asphaltstadt ausgeliefert sehen. Wer ist dieser kompromisslose, querdenkende, non-konforme Verfasser dieser und vieler ähnlicher, aber auch vieler noch drastischerer Zeilen? Mit welchen Informationen aus seinem relativ kurzen (er wurde nur 58 Jahre alt), aber doch intensiven Leben wird man dem Künstler gerecht, mit welchen dem Menschen?

Kindheit und Jugend in Augsburg (1898-1917)

Bertolt (eigentlich Eugen Berthold Friedrich) Brecht kommt am 10. Februar 1898 in einer gutbürgerlichen Augsburger Familie zur Welt. Der Vater, Berthold Friedrich Brecht (1869-1939), bringt es bis zum Direktor einer Papierfabrik, die Mutter, Sophie Brecht (geb. Brezing; 1871-1920), führt zuhause ein liebevolles Regiment und erzieht den kleinen Eugen und seinen jüngeren Bruder Walter ganz im Sinne jener bürgerlich-biederen Bourgoisie, die später im Zentrum Brechtscher Kritik stehen wird. Eugen, der erst später seinen zweiten Taufnamen (allerdings ohne „h“) zu seinem Rufnamen macht, ist zunächst ein eher zurückhaltendes, etwas kränkliches Kind.

Die Zurückhaltung weicht aber in dem Maße, in dem sich Brecht während seiner Gymnasialzeit mit Literatur und Theater und mit den ihn umgebenden Konflikten auseinandersetzt. 1914 – Brecht ist 16 Jahre alt – verfasst er sein erstes Theaterstück, Die Bibel. Drama in I Act, das in der Schülerzeitschrift erscheint. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, durchschaut der Gymnasiast trotz einer anfänglichen, in einigen frühen Gedichten belegten Kriegseuphorie sehr schnell die Propagandamaschinerie und verfasst 1915 seinen berühmten Aufsatz, in dem er Vaterlandsliebe und Heldentod auf das Schärfste kritisiert; dass er deshalb schlussendlich doch nicht die Schule verlassen muss, verdankt er dem Einfluss seines Vaters und der Fürsprache eines Lehrers.