Kurzinhalt, Zusammenfassung: Marat/Sade

Der vollständige Titel dieses Stückes heißt „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ und wurde von Peter Weiss 1964 veröffentlicht, 1965 erschien es in einer revidierten Fassung.

Im Mittelpunkt des Dramas um die Französische Revolution stehen die beiden zentralen Charaktere Marat und de Sade und die mit ihnen verbundenen konträren Weltanschauungen mit den damit einhergehenden Staatsentwürfen. Marat fordert eine Gesellschaft zum Wohle aller, er versteht sich „Freund des Volkes“, der „grundlegende Änderungen in den Verhältnissen“ anstrebt. Er ist entscheidungsfreudig und handlungsorientiert. Im Konflikt zwischen Verantwortungs- und Gesinnungsethik entscheidet er sich für die letztere und schickt für die angeblich gute Sache seine Feinde massenhaft auf die Guillotine. Die Revolution ist für ihn eine blutige Wirklichkeit.

De Sade hingegen, Vertreter des Relativismus und des Agnostizismus, resigniert angesichts der vorgeblichen Natur des Menschen, verlacht Marats sozialistische Ideen von Gerechtigkeit, Gleichheit und Solidarität und sieht das Heil in der Loslösung des Einzelnen aus der Gesellschaft.

Das Drama hat mehrere Zeit- und Handlungsebenen, zwischen denen es ein ständiges Hin und Her gibt: Erstens die Französischen Revolution, während der Marat die letzten Stunden seines Lebens zur Linderung einer Hautkrankheit in der Badewanne verbringt. Hier empfängt er seine Mörderin Charlotte Corday. Seinen letzten Stunden steht zweitens die Handlungsebene der napoleonischen Zeit entgegen, in der de Sade das Bühnenstück mit seinen „irren“ Schauspielern vor einem gutbürgerlichen Publikum inszeniert. Die dritte Zeitebene schließlich ist die Gegenwart der realen Zuschauer des Stückes. Sie wird immer wieder durch Einschübe in die Dramenhandlung verdeutlicht (etwa durch die persönliche Ansprache von der Bühne herab) und soll das Publikum dazu animieren, über die eigenen, ähnlich gelagerte Probleme nachzudenken.