Alfred Döblin / Biographie

Von Christiane Geldmacher

„Wir sind Wanderer, und das ist unser Leben, und ernster, wahrer, würdiger als das früher drüben, in jener Fremde.“  (Alfred Döblin im November 1933)

Alfred Döblin ist ein Wanderer wider Willen. Erst verschlägt es ihn von Stettin nach Berlin, später nach Freiburg und Regensburg, dann, im Ersten Weltkrieg, als Militärarzt ins Elsass. 1933 verlässt er fluchtartig Deutschland und geht in die Schweiz, nach Frankreich und in die Vereinigten Staaten von Amerika. Im Grunde aber bleibt immer Berlin seine Stadt, der er in seinem berühmten Roman Berliner Alexanderplatz ein monumentales Denkmal setzt.

 

Döblin wird am 10. August 1878 als Sohn des Schneidermeisters Max Döblin und seiner Frau Sophie, Tochter eines wohlhabenden Fabrikanten, in Stettin geboren. Als er zehn Jahre alt ist, verlässt der Vater die Familie und wanderte mit einer wesentlich jüngeren Frau nach Amerika aus. Dies ist das Trauma von Alfred Döblins Jugend, das er später versucht, literarisch zu verarbeiten.

Die Familie steigt durch den Weggang des Vaters sozial ab, sie zieht um nach Berlin, unterstützt von den Geschwistern der Mutter. Die Kinder können zunächst nicht mehr geregelt zur Schule gehen, die Mutter nimmt Untermieter auf. Trotzdem besteht Döblin 1900 das Abitur in Berlin und beginnt ein Medizinstudium. Er promoviert bei Alfred Hoche in Freiburg zum Doktor der Medizin und arbeitet als Assistent in der Psychiatrie; ab 1905 arbeitet er als Nervenarzt. 1912 heiratet Döblin die Medizinstudentin Erna Reiss; aus dieser Ehe sollten vier Söhne hervorgehen. Ein Jahr zuvor ist schon sein Sohn Bodo Kunke zur Welt gekommen, ein uneheliches, das er mit seiner Freundin Frieda Kunke hat.

Döblins Doppelleben als Arzt und Schriftsteller beginnt, als er Herwarth Walden kennenlernt, der ihn in die Literaturszene Berlins einführt. Er schreibt Artikel und Rezensionen, unter anderem für die expressionistische Zeitschrift Der Sturm. In seinen Beiträgen zeigt er eine Vorliebe für psychopathologische Themen, Politik und Zeitkritik, Sprach- und Spielexperimente. Seine literarischen Vorbilder sind Heinrich von Kleist, Friedrich Hölderlin, Friedrich Nietzsche und Fjodor M. Dostojewskij.