Interpretation: Mutter Courage und ihre Kinder

Entstehungsgeschichte

Brecht wird im schwedischen Exil durch seine Beschäftigung mit der dortigen Literatur auch auf den Typus der mütterlichen Marketenderin aufmerksam, die als Figur in einer Erzählung Runebergs erscheint. Von Grimmelshausen hat Brecht dagegen sowohl den Namen Courage als auch den Schauplatz des Dreißigjährigen Krieges entliehen; seine Figur weicht allerdings stark von Grimmelshausens Erzbetrügerin und Landstörtzerin Courasche ab, denn bei dieser handelt es sich um eine unfruchtbare Soldatenhure edler Herkunft.

Zwar begann Brecht bereits im September 1939 mit der Niederschrift der Mutter Courage, doch die Umstände und die Kriegswirren machten eine Uraufführung konnte erst im April 1941 am Zürcher Schauspielhaus möglich.

Nach der Übersetzung ins Englische und Musikkompositionen Paul Dessaus erarbeitete das Berliner Ensemble 1949 eine Modellaufführung der Mutter Courage mit Helene Weigel in der Hauptrolle. Seitdem ist das Stück von den Spielplänen der deutschsprachigen Theater nicht mehr wegzudenken.

Dramaturgische Mittel

Die zentrale Frage des Stückes ist die nach dem Warum – warum verteidigt eine Frau nach wie vor den Krieg, obwohl ihr dieser Krieg ihre drei Kinder tötet? Um den Zuschauer immer wieder mit dieser Frage – auf die es keine eindeutige Antwort gibt – zu konfrontieren, werden auch bei diesem Stück die Mittel des Epischen Theaters eingesetzt, das den Zuschauer immer wieder aus seiner passiven Beobachterrolle herausreißt und aktive Teilnahme am Geschehen von ihm verlangt.

Dazu gehört beispielsweise die kurze Inhaltsangabe, die vor jedem Bild auf dem Vorhang erscheint. Auf diese Weise muss der Zuschauer seine Aufmerksamkeit nicht auf den Handlungsverlauf richten, den er ja nun schon kennt, sondern kann sich aus einer kritischen Distanz heraus mit den thematisierten Problemstellungen auseinandersetzen.