Georg Büchner / Biographie

Doch bleibt er bei seiner Überzeugung, dass revolutionäre Umtriebe in Deutschland noch keine Aussicht auf Erfolg hätten. Weder beteiligte er sich am berühmten Hambacher Fest vom 27. Mai 1832, bei dem rund 30.000 Menschen gegen die politischen Verhältnisse demonstrieren, noch hat er Verbindung zu den Drahtziehern des Frankfurter Wachensturms vom 3. April 1833, eines schlecht organisierten Revolte-Versuchs, der neun Tote und mehrere Verletzte fordert und die erhoffte Signalwirkung völlig verfehlt, "weil ich im gegenwärtigen Zeitpunkt jede revolutionäre Bewegung als eine vergebliche Unternehmung betrachte und nicht die Verblendung Derer teile, welche in den Deutschen ein zum Kampf für sein Recht bereites Volk sehen. Diese tolle Meinung führte die Frankfurter Vorfälle herbei, und der Irrtum büßte sich schwer." (Brief an die Eltern vom [ca. 6.] April 1833)

Dafür geht er seinen literarischen Interessen nach; hier spielen vor allem die Stoebers eine wichtige Rolle: 1831 veröffentlicht der Vater eine Biographie seines Lehrers, des Pfarrers Johann Friedrich Oberlin, und August Stoeber publiziert im selben Jahr einen Artikel in mehreren Folgen, in welchem er über bis dahin unbekannte Aspekte aus dem Leben des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz berichtet und die bestehenden Vorurteile gegen Goethes Zeitgenossen auszuräumen sucht. Büchner wird diese Beiträge mit Interesse zur Kenntnis genommen haben.

Im August 1833 kehrt Büchner nach Darmstadt zurück, um, wie es die hessischen Gesetze verlangen, sein Studium in Gießen abzuschließen. Es ist ein Ortswechsel mit gewaltiger Wirkung: In vollem Bewusstsein erlebt er nun die Beengtheit, die das politische System in Deutschland hervorruft: "Die politischen Verhältnisse könnten mich rasend machen" (Brief an August Stoeber vom 9. Dezember 1833) Hinzu kommt die für ihn nur schwer zu ertragende, erzwungene Trennung von Minna und, durch beide Umstände verstärkt, seine ohnehin depressive Grundveranlagung.

Im November, kurz nach Semesterbeginn, erleidet er einen Anfall von Hirnhautentzündung und bleibt bis zum Jahresende im Elternhaus; nach der Wiederaufnahme des Studiums verfällt er im Februar 1834 in eine schwere depressive Krise. Und doch vollzieht sich gerade in dieser Zeit ein entscheidender Wandel. Der bisher nur beobachtende, an den Möglichkeiten politischer Tätigkeit zweifelnde Büchner entdeckt für sich die Notwendigkeit des Handelns - und dies auch im privaten Bereich, denn nun, nach einer heimlichen Eskapade nach Strassburg, offenbart er seinen Eltern endlich sein Verlöbnis.