Joseph von Eichendorff / Biographie

1808 beenden die Brüder das Studium, ohne Abschluss, wie es für Adelige zu dieser Zeit üblich ist. Nach einer kurzen Bildungsreise nach Paris und Wien treffen sie bereits im Sommer wieder in Lubowitz ein, wo sie den Vater unterstützen. Doch bald wird klar, dass das Gut die Brüder nicht ernähren kann – sie müssen sich nach einem Brotberuf umsehen. 1810 reisen sie daher nach Wien, um sich auf das Referendarexamen vorzubereiten, das sie 1812 ablegen. In diese Zeit fällt die enge Freundschaft mit Friedrich und Dorothea Schlegel und die Konzeption des Romans Ahnung und Gegenwart, der von Dorothea durchgesehen und redigiert wird. Wie groß ihr Einfluß auf die endgültige Textgestalt ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen, da die Handschriften verloren gegangen sind.

Kurz darauf trennen sich die Lebenswege der Brüder: Wilhelm beschreitet die Verwaltungslaufbahn in Österreich, Joseph nimmt von 1813 bis Anfang 1816 an den Befreiungskriegen teil. Dazwischen liegt, 1815, seine Heirat mit Luise von Larisch, sehr zum Unwillen der Mutter übrigens, die sich eine bessere Partie für den Sohn und für das Gut erhofft hat.

Für Eichendorff beginnen nun die Jahre der schlecht bezahlten Beamtentätigkeit im preußischen Staat, die kaum ausreicht, die schnell wachsende Familie zu ernähren: bis 1820 lebt der Referendar in Breslau, dann bis 1823 als Regierungsrat in Danzig, von 1824 bis 1830 als Regierungsrat und Oberpräsidialrat in Königsberg und schließlich, bis 1844, als er aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand versetzt wird, ist er am Kultusministerium in Berlin tätig. In dieser Zeit entstehen die meisten der Erzählungen: 1819 Das Marmorbild, 1826 Aus dem Leben eines Taugenichts, 1832 Viel Lärmen um nichts, 1834 Auch ich war in Arkadien sowie Dichter und ihre Gesellen, 1835/36 Eine Meerfahrt, 1837 Das Schloß Dürande und im selben Jahr auch die erste Gesamtausgabe der Gedichte, 1841 Die Glücksritter und 1849 schließlich Libertas und ihre Freier.

Eichendorff lebt in all den Jahrzehnten seiner Beamtentätigkeit bis zu seinem Tod zurückgezogen im Kreis der Familie, und von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, beschrieben als ein gütiger, bescheidener und warmherziger Mensch. Zwar ist er mit Arnim und Brentano, den Schlegels, Tieck, Kleist, E. T. A. Hoffmann bekannt, begegnet 1846/47 während eines langen Aufenthalts in Wien Robert und Clara Schumann, Meyerbeer, Grillparzer und Stifter und lernt später in Berlin, wohin er 1849 zurückkehrt, auch Fontane kennen. Doch schon 1851 schreibt  Bismarck verwundert an seine Braut: "Weißt Du, daß der Mensch noch lebt? Wohnt hier im Kadettenkorps ..."