Kurzinhalt, Zusammenfassung: Über das Marionettentheater

Kleists Essay gibt den Bericht des Erzählers über die Unterhaltung mit dem bekannten Tänzer C. der Oper in M... im Winter des Jahres 1801 wieder, die „in einem öffentlichen Garten“ stattfindet.

Das rekapitulierte Gespräch entwickelt sich, so der Erzähler, nachdem der er den Tänzer auf dessen Gewohnheit, Aufführungen des Marionettentheaters zu besuchen, anspricht. C. gesteht seine Faszination für Marionetten und beginnt zu erörtern, was der Ursprung dieser Begeisterung für die „Pantomimik dieser Puppen“ ist. Er berichtet über das der Anmut des Marionettentanzes zugrunde liegende ‚Geheimnis’ der Mechanik, das auf einem inneren Schwerpunkt der Marionette beruht, den der „Maschinist“ bestimmt. Die Bewegung der Marionetten gestaltet sich um diesen Schwerpunkt und folgt den vom Maschinisten vorgezeichneten „Weg der Seele des Tänzers“, so C.

Des Weiteren erläutert er seine Vorstellung von einer idealen Gliederpuppe und deren besonderer Kunstfertigkeit. Den wesentlichen Unterschied zu einem menschlichen Tänzer besteht laut C. in deren Unfähigkeit zur „Ziererei“, die im Falle des Menschen dazu führen kann, dass sich dessen „Seele (vis motrix) in irgend einem andern Punkte befindet, als in dem Schwerpunkt der Bewegung.“ Dies ist das Ergebnis der menschlichen Fähigkeit zur Reflexion des eigenen Handelns, die seit dem Sündenfall besteht, so die Einschätzung des Tänzers. Jener ist nicht rückgängig zu machen, denn „das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns; wir müssen die Reise um die Welt machen, und sehen, ob es vielleicht von hinten irgendwie wieder offen ist.“

Darüber hinaus betont der Tänzer, dass die Überlegenheit der Gliederpuppe außerdem aus deren Unabhängigkeit von der Erdanziehungskraft resultiert, ihre Bewegungen sind folglich nicht determiniert von der Notwendigkeit, sich auf dem Boden „zu erholen.“ Deshalb ist kein Mensch, nur ein Gott, fähig, den Grad der Anmut der Bewegungen der Gliederpuppe zu erreichen.

Der Erzähler stimmt dem Tänzer in dessen Behauptung zu; er ist, so teilt er C. mit, sich darüber im Klaren, dass die menschliche Fähigkeit zur Reflexion des eigentlichen Handelns die „natürliche Grazie des Menschen“ beschädigt. Als Bestätigung seines Verständnisses berichtet er seinerseits von einem Erlebnis: Als er sich gemeinsam mit einem Jüngling in einem Bad befindet, nimmt der etwa 16jährige im Spiegel eine Bewegung wahr, die ihn an die Statue des Dornausziehers (ein berühmtes Motiv der bildenden Kunst) erinnert. Der Erzähler empfindet dies offenbar ebenso, verschweigt es allerdings dem Jüngling, mit der Folge, dass dieser die Bewegung zu wiederholen versucht. Dies gelingt ihm trotz mehrmaliger Versuche vor dem Spiegel nicht; seitdem hat der junge Mann, so meint der Erzähler, „seine Unschuld verloren“ und seine Bewegungen können deshalb nie mehr eine derartige Anmut erlangen.