Christian Morgenstern / Biographie

Einen Einschnitt – und das Vernachlässigen eigener Werke – stellen die Jahre 1897 bis 1903 dar, denn der S. Fischer Verlag beauftragt Morgenstern, die Gedichte und Versdramen Henrik Ibsens zu übersetzen (wofür Morgenstern erst Norwegisch lernen muss). Bei einer Reise nach Kristiania (Oslo) 1898/99 lernt er den Dichter selbst kennen, der sich später von Morgensterns Arbeiten tief beeindruckt zeigt. Bis 1903 überträgt er Das Fest auf Solhaug, Peer Gynt, Catilina, Wenn wir Toten erwachen, Brand, die Komödie der Liebe und Gedichte ins Deutsche.

An eigenen Werken erscheinen: 1898 Ich und die Welt, 1900 Ein Sommer und 1902 Und aber ründet sich ein Kranz.

Im September 1900 wird ein bis ins Frühjahr 1901 dauernder Kuraufenthalt in Davos nötig. Während dieser Zeit werden zum ersten Mal die Galgenlieder erwähnt. Trotz seines Lungenleidens und der andauernden Beschwerden hält es Morgenstern niemals lange an einem Ort aus. Von Davos aus geht es an den Vierwaldstätter See, von dort nach Wolfenschießen, und den Winter verbringt er in Arosa. Im März 1902 reist er über Zürich, Mailand und Rapallo nach Portofino, im Mai ist er in Florenz und kehrt über Mailand nach Zürich zurück, von wo er Fahrten nach Wolfenschießen und Heidelberg unternimmt. Im Dezember 1902 reist er nach Rom. Im März 1903 hält er sich in Fiesole bei Florenz auf, bevor er im Mai wieder nach Berlin zurückkehrt, wo Bruno Cassirer ihm bereits eine Lektorstelle angeboten hat.

Im Sommer 1905 erscheinen bei Cassirer die Galgenlieder, die ein sofortiger Erfolg werden; bereits 1906 folgt eine zweite, 1908 eine dritte Auflage. 1910 kommt Palmström hinzu; die beiden anderen Bände der Galgenlieder, Palma Kunkel und Der Gingganz, erscheinen erst 1916 und 1919, nach Morgensterns Tod.

Auch 1905 muss Morgenstern seiner Krankheit Tribut zollen, ein Aufenthalt auf Föhr soll seine Gesundheit stärken. Doch vergebens - im Winter muss er sich in ein Sanatorium in Birkenwerder bei Berlin begeben. In diese Zeit – Morgenstern ist 35 Jahre alt – fält seine Hinwendung zur Mystik. Er beginnt das Tagebuch eines Mystikers, dessen Sinnsprüche, Aphorismen, Notizen und Verse erst 1918 im Band Stufen veröffentlicht werden.

1906 kommt, ebenfalls bei Cassirer, der lyrische Band Melancholie heraus. Und wieder Reisen, die Unrast und die ständige Suche nach einem Ort, der seiner Gesundheit zuträglich sein könnte: Tirol, Meran-Obermais, 1907 San Vigilio am Gardasee, die Schweiz, 1908 Berlin, dann im Sommer nach Bad Dreikirchen bei Meran, wo Morgenstern Margareta Gosebruch von Liechtenstern kennen- und lieben lernt. Bereits im Oktober sind sie, sehr zum Unwillen der Eltern, verlobt.