Christian Morgenstern / Biographie

Durch Margareta lernt Morgenstern die Anthroposophie Rudolf Steiners kennen. 1909 hört er Vorträge Steiners in Berlin, Düsseldorf und Koblenz und im Mai 1909 tritt er als Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft bei. Was nun folgt, ist eine lange Abfolge von Reisen zu den Vorträgen Steiners, unterbrochen nur durch Sanatoriumsaufenthalte, die seine sich ständig verschlimmernde Krankheit notwendig macht: 1909 Kristiania, Budapest, Kassel, der Schwarzwald, Wolfshau im Riesengebirge, wo er seinen Vater besucht, dann München und Meran-Obermais.

1910 erfolgt die Heirat mit Margareta in Obermais; anschließend: Bad Dürenstein, Bern, München, Verona, Mailand, Genua, Palermo und Taormina, wo Morgenstern schwer erkrankt. Im Frühjahr 1911 erst kann er nach Rom weiterreisen, wo er im Deutschen Krankenhaus behandelt wird. Es folgten Sanatoriumsaufenthalte in Arosa und Davos.

Im Oktober 1912 trifft er in Zürich mit Steiner zusammen, danach reist er wieder nach Arosa. Im Frühjahr 1913 ist er in Portorose an der Adria, später folgen Reisen nach Bad Reichenhall und München. Im Dezember nimmt er in Leipzig an einer Vortragsreihe Steiners teil und erlebt eine Lesung seiner Werke durch Marie von Sivers. Morgenstern selbst, der nur noch flüstern kann, ist dazu nicht mehr in der Lage.

Und doch: auch jetzt noch, welcher Mut und welche Lust am Leben! So schwer sein Leiden auch auf ihm lastet und so sehr es ihn beeinträchtigt, niemals hat er ihm zugestanden, sich von ihm überwältigen zu lassen. Noch in seinem letzten Brief schreibt er:

"Gewiß, ich bin seit zwanzig Jahren leidend [...], aber, so paradox es klingen mag, es sträubt sich alles in mir, von irgend jemandem als krank empfunden zu werden. Denn ein Gefühl wirklichen Krankseins ist bisher meiner noch nicht Herr geworden, trotz allem, und natürliche Depressionen abgerechnet, und wird es hoffentlich auch nie werden [...]. Ich möchte den Satz aufstellen: Kein wahrhaft freier Mensch kann krank sein. Und was mich betrifft, so mögen's meine Werke von der ersten bis zur letzten Zeile bezeugen."

So hoffnungslos ist sein Zustand 1914, dass das Sanatorium im südtirolischen Arco Morgensterns Aufnahme verweigert. In Meran-Untermais findet sich schließlich eine Privatwohnung, in der der Todkranke bleiben kann. Christian Morgenstern stirbt am 31. März 1914. Seine Urne wird im Goetheanum in Dornach aufbewahrt.