Kurzinhalt, Zusammenfassung: Der Kaukasische Kreidekreis

Dieses 1948 uraufgeführte Stück basiert auf dem ursprünglich aus dem Chinesischen stammenden Gleichnis der beiden Mütter, die sich um ein Kind streiten: Dieses Kind wird in einen Kreidekreis gestellt und beide Mütter sollen nun an ihm ziehen – die Stärkere darf das Kind behalten. Da aber die wahre Mutter ihrem Kind keine Schmerzen zufügen möchte, überlässt sie das Kind der Anderen. Gerade an dieser selbstlosen Haltung aber wird sie als die echte Mutter erkannt und bekommt ihr Kind zugesprochen.

Brecht kehrt dieses Gleichnis um, indem er in seinem Stück nicht der leiblichen Mutter das Kind zuspricht, die es in der Not im Stich gelassen hat, sondern der Magd Gusche, die das verlassene Kind aufgenommen, in Sicherheit gebracht und versorgt hat.

Damit stellt Brecht die sozial bestimmte Mutterrolle vor die biologische und kehrt die Anspruchsperspektive um: Nicht die Mütter haben Ansprüche auf die Kinder, sondern die Kinder haben Anspruch auf die bestmögliche Mutter.