Biographie Annette von Droste-Hülshoff

Als Annette von Droste-Hülshoff 1838 ihr erstes Buch publiziert, trifft es auf Spott oder Gleichgültigkeit; nur vierundsiebzig Exemplare werden verkauft.

"Mit meinem Buche", schreibt sie in einem Brief an ihre Schwester, "ging es mir zuerst ganz schlecht. Ich war in Bökendorf mit Sophie und Fritz allein, als es herauskam, hörte nichts darüber, und wollte absichtlich mich auch nicht erkundigen. Da kömmt mit einem Male ein ganzer Brast Exemplare von der Fürstenberg [...]. Ferdinand Galen gibt die erste Stimme, erklärt alles für reinen Plunder, für unverständlich, konfus und begreift nicht, wie eine scheinbar vernünftige Person solches Zeug habe schreiben können. Nun tun alle die Mäuler auf und begreifen alle miteinander nicht, wie ich mich habe so blamieren können."

Diese Borniertheit ist nicht nur auf ihre adelige Umgebung beschränkt; nur wenige, Freiligrath zum Beispiel oder Jakob Grimm, erkennen die Größe dieser Dichterin, die heute als die bedeutendste des 19. Jahrhunderts gilt. Wie keiner ihrer männlichen Schriftstellerkollegen ist sie jedoch in ihrem Leben – im zitierten Brief klingt es an – den Konventionen der Familie, des Standes und der Gesellschaft ausgeliefert. Niemals hat sie sich dagegen aufgelehnt, hat gegen die oft als quälend empfundenen Grenzen, die ihr als Frau gesetzt sind, rebelliert. Sie hat die Einschränkungen – typisch für ein Frauenschicksal des 19. Jahrhunderts – und die sich daraus ergebenden Spannungen nicht nur ihres eigenen Lebens, auch der Zeit, ausgehalten und getragen. Daraus sind ihre Gedichte hervorgegangen, in all ihrer Größe, ihrer Eindringlichkeit und ihrer sinnlichen Gegenständlichkeit, die nicht mehr auf ein romantisches Sehnen, auf eine Welt der Kunst verweisen, sondern dem Hier und Jetzt, der konkreten Alltäglichkeit verpflichtet sind.

Elisabeth Anna Freiin Droste zu Hülshoff wird am 10. Januar 1797 auf dem Stammsitz der Familie, der Wasserburg Hülshoff bei Münster, geboren. Die Familie gehört zum westfälischen Uradel. Unterrichtet wird Annette (die Koseform des Namens wurde ihr von Beginn an beigelegt) von den Hauslehrern Wenzelo und Weydemeyer, erste lyrische Versuche sind ab 1804 bekannt. Großen Einfluß auf ihre geistige Entwicklung nimmt der dem einstigen Göttinger Hainbund nahestehende Professor Anton Matthias Sprickmann, der die Heranwachsende von 1812 bis 1819 literarisch betreut.

Im Sommer 1813 – Annette ist sechzehn Jahre alt – trifft sie während eines Sommeraufenthalts in Bökendorf bei ihrem Großvater auf Wilhelm Grimm und lässt sich, wie so viele andere auch, von ihm dafür begeistern, an der Sammlung von Volksliedern und Märchen mitzuwirken; dort begegnet sie auch zum ersten Mal dem Stoff, aus dem ihr einzig vollendetes Prosawerk, Die Judenbuche, entstehen soll.

Ferdinand Freiligrath
Ferdinand Freiligrath war einer der bekanntesten Lyriker des Vormärz.
Jakob Grimm
Jakob Grimm gab nicht nur mit seinem Bruder Wilhelm die berühmten 'Kinder- und Hausmärchen' heraus, sondern war auch einer der Begründer der germanischen Sprachwissenschaft.