Hans Jakob Christoph von Grimmelshausen / Biographie

Unter dem Oberst Schauenburg, der aus der Gegend stammt, kann die strategisch wichtige Stadt bis zum Ende des Krieges gehalten werden. Für Grimmelshausen vollzieht sich nun eine entscheidende Wendung, denn bald holt man den aufgeweckten Jungen, der lesen und schreiben, ein wenig Latein und Mathematik kann – das Resultat der Ausbildung, die er noch unter seinem Großvater erfahren hatte – in die Regimentskanzlei, und spätestens seit 1645 ist er als Schreiber tätig. Eine wichtige Rolle dabei spielt der Regimentssekretär Johannes Witsch, Magister der Universität Freiburg, der die Begabung Grimmelshausens erkennt und sie zielstrebig fördert.

Als 1647 die Schweden und Franzosen in Bayern einfallen, nimmt Grimmelshausen als Sekretär im Regiment Elters, eines Schwagers von Schauenburg, am Feldzug in Bayern teil. Dort ereilt ihn am 24. Oktober 1648 der Friedensschluss. Grimmelshausen kehrt nach Offenburg zurück, wo er im August 1649 Katharina Henninger, die Tochter eines Kameraden aus dem Regimentsstab, heiratet.

Die Schauenburger stellen Grimmelshausen nun in ihren Dienst. Er wird Schaffner in Gaisbach und kümmertesich um die Verwaltung der schauenburgischen Güter; im Schaffnerhaus, das er 1656 erwirbt, betreibt er die Weinwirtschaft 'Zum silbernen Stern'. Elf Jahre bleibt er dort, 1662 allerdings wechselt er den Dienstherrn. Ebenfalls als Schaffner findet er Anstellung auf der nur wenig entfernt gelegenen Ullenburg des Straßburger Arztes Küeffer (auch Küffer oder Kieffer geschrieben). Die Bibliothek, die ihm dort zur Verfügung steht, dürfte nicht wenig zu dieser Entscheidung beigetragen haben, denn längst muss Grimmelshausen zu schreiben begonnen haben.

Seine ersten Bücher, die 1667 erscheinen, der Satyrische Pilgram und die Histori vom keuschen Joseph in Egypten, sind wahrscheinlich bereits 1665 vollendet. Ausgelöst durch den Erfolg des Simplicissimus (1668) kommen nun bis 1673 und kurz hintereinander die weiteren Bände, von denen viele um die Figur des Simplicissimus herum angelegt sind: 1670 Dietwalds und Amelinden anmuthige Lieb- und Leids-Beschreibung, der Simplicianische zweyköpffige Ratio Status, Trutz Simplex (die Lebensbeschreibung der Landstörzerin Courage), Der erste Beernhäuter und Der seltzame Springinsfeld; 1672 Das wunderbarliche Vogel-Nest, Rathstübel Plutonis, Des abenteuerlichen Simplicii verkehrte Welt, Der stoltze Melcher und Des Durchleuchtigen Printzen Proximi und seiner ohnvergleichlichen Lympidae Liebs-Geschicht-Erzehlung; 1673 der Teutsche Michel, der Bart-Krieg und das Simplicissimi Galgen-Männlin.

Daneben verfasst er – sein zweites großes Werk – den 1671 herausgegebenen Ewigwährenden Kalender, der in zahlreichen Anspielungen und Querverweisen um die simplicianische Welt kreist und ein undurchschaubares literarisches Labyrinth darstellt.

Warum Grimmelshausen die Stellung bei Dr. Küeffer aufgibt, ist nicht bekannt. Ab 1665 jedenfalls betreibt er wieder seine Gastwirtschaft in Gaisbach. Eine neue Anstellung findet er 1667 als Schultheiß in Renchen, wo er damit bischöflicher Beamter auf Lebenszeit wird.

Nach fünf Friedensjahren holt ihn 1673 nochmals der Krieg ein. Der französische König Ludwig XIV. dehnt seine Feldzüge gegen die Niederlande auf das Elsass aus, die Gegend um Renchen wird schwer in Mitleidenschaft gezogen. Eine Entscheidung fällt erst 1675 durch die Schlacht bei Sasbach, unweit Renchen, bei der die Franzosen von kaiserlichen Truppen geschlagen werden. 

1676, am 17. August, stirbt Grimmelshausen, wahrscheinlich an den Folgen einer schweren Krankheit, die ihn wohl auch die letzten Jahre über geplagt hat.