Theodor Fontane / Biographie

Im September 1840 verlässt Fontane Berlin und setzt seine Apothekerausbildung in Burg bei Magdeburg fort; 1841 zieht er nach Leipzig weiter. Die Apotheke fungiert nebenbei als eine regelrechte Bibliothek, der Inhalt der Zeitschriften ist ungewohnt: Sachsen besitzt im Gegensatz zu Preußen seit 1831 eine Verfassung, und die Zensur ist weniger streng.

Fontane kommt in Leipzig mit Menschen in Kontakt, die als Demokraten eine damals radikale politische Linie verfechten. Sein immer stärker werdendes Interesse für England verbindet sich mit seiner Begeisterung für demokratisches Gedankengut, und er übersetzt einige revolutionäre englische Arbeitergedichte. Für sein eigenes dichterisches Schaffen wird ihm der Vormärz-Literat Georg Herwegh zum Vorbild; als er schließlich Zutritt zum Leipziger Herwegh-Klub erhält, bewegt er sich unter den radikalsten Geistern der Vormärz-Zeit.

Im Juli 1841 wechselt Fontane erneut den Wohnsitz und nimmt eine Stelle in einer Apotheke in Dresden an, veröffentlicht aber weiterhin in der Leipziger Zeitschrift Die Eisenbahn. Als die Lehrzeit in der Dresdner Apotheke abgelaufen ist, kehrt er als Gehilfe in die Apotheke seines Vaters zurück. Die Familie wohnt inzwischen in Letschin im Oderbruch – ein Provinznest, das nach der Leipziger Erfahrung auf den jungen Schriftsteller deprimierend wirkt. Fontane vergräbt sich in Lektüre, liest und übersetzt Shakespeare sowie neuere englische Schriftsteller und versucht sich wieder in kurzen Prosastücken.

Der 23. Juli 1843 wird ein wichtiges Datum für den 23-jährigen Fontane: Sein Freund Bernhard von Lepel führt ihn bei einem Berlin-Besuch in den 'Tunnel über der Spree' ein. Hier wird Fontane einflußreichen Persönlichkeiten begegnen, deren Bekanntschaft entscheidenden Einfluss auf seinen weiteren Lebensweg haben wird.

Diese Dichtervereinigung war 1827 von dem Schriftsteller und Verleger Gottlieb Saphir gegründet worden. Der eigentümliche Name des Klubs soll eine satirische Anspielung auf den einige Jahre zuvor gebauten Tunnel unter der Themse sein, eine der Meisterleistungen der damaligen Ingenieurskunst. Dichterische Meisterleistungen gehen von diesem Verein zunächst nicht aus; als Fontane imSeptember 1844 aktives Mitglied wird, findet er jedoch immerhin eine Reihe illustrer Persönlichkeiten vor, so den späteren Nobelpreisträger Paul Heyse, Felix Dahn und, für kurze Zeit, Theodor Storm. Der alte Eichendorff und Gottfried Keller erscheinen als Gäste. Bernhard von Lepel, der kurz darauf auch Fontanes militärischer Vorgesetzter wird, zählt zu den tonangebenden Männern des Tunnels. Fontane wendet sich während seiner Tunnel-Zeit bald von den lyrischen Anfängen in Herweghscher Manier ab; die Ballade wird nun die für ihn typische Gedichtform. Im Dezember 1844 erzielt er mit Der Tower-Brand den ersten Achtungserfolg vor den Tunnel-Mitgliedern. Er wird diesem Verein noch lange treu bleiben – nominell wird seine Mitgliedschaft 21 Jahre dauern.