Interpretation: Die Dreigroschenoper

Die am 31. August 1928 im Berliner Theater am Schiffbauerdamm uraufgeführte Dreigroschenoper, entstanden nach der 200 Jahre alten Vorlage The Beggar’s Opera von John Gray (1728), ist ein Stück mit Musik in einem Vorspiel und acht Bildern, das zur erfolgreichsten deutschen Theateraufführung der Weimarer Republik aufsteigen konnte. Kurt Weill schrieb die Musik dazu – wie damals üblich für neun Musiker und zweiundzwanzig Instrumente. Die Lieder, die bald als Schallplattenversion angeboten wurden, waren über die Maßen erfolgreich – einige der Lieder der Dreigroschenoper sind sogar internationale Hits geworden, wie die Seeräuber-Jenny, die Ballade vom angenehmen Leben und vor allem die Moritat von Mackie Messer, die die Oper in Vorspiel und Epilog gleichsam umrahmt. Ebenfalls 1928 komponiert Weill auch die Kleine Dreigroschenmusik, eine Suite aus der Dreigroschenoper für Blasorchester.

Trotz des von der Vorlage entlehnten Gattungsbezeichung Oper handelt es sich bei der Dreigroschenoper nicht um eine durchkomponierte Oper im eigentlichen Sinne, sondern um ein politisches Theaterstück mit insgesamt 22 Gesangsnummern, die aber von singenden Schauspielern bewältigt werden.

Die Intention des Stückes ist die Darstellung der bürgerlichen Vorstellungen. Diese sollen aber nicht nur dadurch kritisiert werden, dass sie dargestellt werden, sondern auch dadurch, wie sie auf der Bühne erscheinen. Dazu wird die Faszination des Halbweltlichen genutzt, das außerhalb der bürgerlichen Grenzen anzusiedeln ist und gerade deshalb eine Gegenwelt darstellt. Diese Grenzen bricht das Stück jedoch nach und nach auf, denn ebenso, wie ein Räuber auch ein Bürger ist, kann ein Bürger ein Räuber sein – diese beiden Konzepte rigoros gegeneinander abgrenzen zu wollen, ist der selbstherrlich-bürgerliche Irrtum, den es aufzudecken gilt.