Kurzinhalt, Zusammenfassung: Drei Märchen-Almanache

Wilhelm Hauffs drei Märchenalmanache erzählen, durch Rahmenhandlungen formal verbunden, sowohl Märchen aus dem Morgenland als auch in Deutschland angesiedelte Geschichten.

Von den orientalischen Erzählungen ist die vielleicht bekannteste die vom Kalif Storch. Sie berichtet von Chasid von Bagdad und seinem Großwesir Mansur, die eines Tages von einem alten Krämer aufgesucht werden. Er verkauft ihnen ein geheimnisvolles, schwarzes Pulver, das den, der es schnupft, in ein beliebiges Tier verwandelt und ihm die Sprache der Tiere verständlich werden läßt. Nur dürfe man, solange der Zauber andauert, keinesfalls lachen, denn dann vergesse man die Formel 'Mutabor'. Diese allein gibt die menschliche Gestalt zurück; dazu muß man sich beim Aussprechen dreimal gen Mekka verneigen.

Voll Neugier versuchen am Tage darauf der Kalif und sein Begleiter das Pulver und – werden zu Störchen! Kurios genug, jedoch geraten sie bei den hölzernen Tanzversuchen ihrer neuen Artgenossin 'Klapperschnabel', die sie aus der Ferne beobachten, vor Belustigung so außer sich, daß sie sich nicht mehr auf die Zauberformel besinnen können. Tage und Nächte streichen sie als Störche unglücklich umher, doch eines Abends, in einer finsteren Ruine, begegnen sie einer Nachteule, der verwunschenen Prinzessin Lusa. Diese verrät ihnen, wie sie dem Zauberer Kaschnur, Urheber des ganzen teuflischen Komplotts, das Zauberwort ablauschen könnten. Der Plan glückt, die drei, Kalif, Großwesir und Prinzessin, werden wieder zu Menschen, kehren zurück ins überraschte und hocherfreute Bagdad, das seinen Herrscher bereits für tot hielt.

Ebenso glücklich endet das zweifellos nicht weniger bekannte Märchen Zwerg Nase aus dem zweiten Almanach Hauffs: Der kleine Jakob hilft seiner Mutter an deren Kräuterstand auf dem Markt, als eine häßliche, krummnasige Alte einherhinkt und abfällig die Ware mustert. Der mutige Jakob weist das Weib empört zurecht; dieses aber lockt ihn unter einem Vorwand in ihr Haus, ein phantastischer Ort mit gläsernen Fußböden, erfüllt von den verwirrendsten Düften, wo Jakob von Meerschweinchen und Eichhörnchen begrüßt wird. Sie bereitet ihm eine wohlschmeckende Suppe, die Jakob in einen mißgestalteten Zwerg mit riesiger Nase verwandelt. Nach sieben Jahren, die Jakob als seltsamen Traum erlebt, gibt sie ihn frei – aber in seiner Stadt bleibt er unerkannt, wird verhöhnt und von den eigenen Eltern verjagt. So bleibt ihm keine Wahl; er wird des Fürsten Küchenchef und ist als solcher gefeiert und gepriesen. Und als er für einen Gast des Fürsten die Königin der Pasteten, die Suzeräne, bereiten soll, entdeckt er im Schloßgarten das Kraut 'Niesmitlust', unabdingbar für die Pastete, riecht daran und wird, all seine Hässlichkeit verlierend, zu dem stattlichen Jüngling, der er in Wirklichkeit ist.

Im Schwarzwald ist das wohl schönste Märchen des dritten Almanachs angesiedelt, Das kalte Herz. Es erzählt vom armen Köhler Peter Munk, der mit Hilfe des Glasmännleins zu Wohlstand gelangt. Der zerrinnt ihm jedoch bald zwischen den Fingern, und enttäuscht wendet sich Peter an den Holländer-Michel, einen Waldgeist, der ihm anhaltenden Reichtum verspricht, wenn der junge Köhler dafür sein Herz hergibt und sich eines aus Stein einsetzen läßt. So verliert Peter alles Menschliche, verstößt seine Mutter, tötet zornig seine Frau und kann lediglich, voll unglücklicher Reue, durch die Ratschläge des Glasmännleins sein altes Herz zurückgewinnen.

Nicht weniger phantasievoll und reich an Beschreibungen des Wunderbaren sind auch all die anderen Märchen Hauffs - Das Gespensterschiff, Die Geschichte vom kleinen Muck, Die Geschichte Almansors, Die Sage vom Hirschgulden, um nur einige zu nennen - in ihrer eigentümlichen Verquickung von Orient und Okzident.