Biographie Friedrich Dürrenmatt

Von Lars Witte

In seiner langen Karriere als Schriftsteller wechselt Friedrich Dürrenmatt virtuos zwischen den verschiedenen literarischen Formaten. In seinem Œuvre finden sich sowohl dramatische als auch prosaische Arbeiten, Hörspiele, Drehbücher und Theaterstücke, aber auch philosophische und politische Essays, Kurzgeschichten, Novellen, Romane und autobiographische Erzählungen. Die erste große Entscheidung seiner künstlerischen Laufbahn trifft Dürrenmatt allerdings nicht zugunsten eines einzelnen Genres, sondern für die Literatur überhaupt – und gegen die Malerei. Ähnlich wie Hermann Hesse oder Günter Grass hegt der Autor Zeit seines Lebens neben dem Schreiben ein starkes Interesse für die Malerei.

Geboren am 5. Januar 1921 in Konolfingen im schweizerischen Kanton Bern als Sohn eines protestantischen Pfarrers, versucht sich Dürrenmatt bereits als Kind an der zeichnerischen Umsetzungen verschiedener Bibelstellen. Die pessimistische Weltsicht des späteren Schriftstellers lässt sich in der Szenenauswahl des Knaben schon erahnen – Friedrich zeichnet mit Vorliebe düstere Versionen der Kreuzigungsgeschichte, auf denen etwa, wie auf der frühesten noch erhaltenen Zeichnung des damals 8jährigen, das Kreuz auf einem kahlen Hügel von dämonischen Gestalten umtanzt wird. Auch als erfolgreicher Autor fertigt Dürrenmatt später zahlreiche Tusch- und Tintenzeichnungen an, die zum Teil als Illustrationen für seine Bücher oder als Bühnenbild bei Aufführungen seiner Stücke verwandt werden. Seine Motive behält er bis zu seinem Tod bei. Immer wieder finden sich Darstellungen der Apokalypse und der Kreuzigung, vom Turmbau zu Babel oder vom Labyrinth des Minotaurus. Die gleich bleibende Motivwahl des Malers ist typisch auch für den Schriftsteller Dürrenmatt: in zahllosen Variationen wird er immer dieselben Themen wieder und wieder bearbeiten und umarbeiten. Bei Dürrenmatt geht es um die Verstrickung des Menschen in seine Schuld, um die erbarmungslose Konsequenz des Schicksals, das Fehlen jeder Gerechtigkeit in der Welt.

Der junge Friedrich besucht das Freie Gymnasium in Bern und wechselt, da er mit seinem aufmüpfigen Verhalten aneckt, auf das Humboldtiarium. Mit mittelmäßigen bis schlechten Ergebnissen schließt er dort 1941 seine Schullaufbahn ab. Dürrenmatt findet wenig Gefallen am Lernen und an den autoritären Strukturen der Lehranstalt; seine Schulzeit bezeichnet er im Nachhinein als die „übelste“ seines Lebens. Die Eltern möchten, dass er Theologie studiert; diesem Wunsch widersetzt er sich und beginnt ein Studium der Philosophie, Naturwissenschaft und Germanistik in Zürich. Wieder ist er unzufrieden, er wechselt die Universität und zieht zurück nach Bern. An seiner Zimmertür bringt er ein Schild an mit der Aufschrift „Friedrich Dürrenmatt, nihilistischer Dichter“ – ohne bis zu diesem Augenblick nur ein einziges Wort geschrieben zu haben.

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