Im Exil

Im Exil (1933-1948)

Brecht reist über Prag, Wien und Zürich schließlich auf die Insel Fünen (Dänemark), wo er ein Haus kauft, in dem die Familie die nächsten fünf Jahre leben wird. Hier besucht ihn im Frühjahr 1934 auch Hanns Eisler, beide arbeiten an der Neufassung des Stückes Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und reich gesellt sich gern, der künstlerischen Auseinandersetzung mit Hitlers Machtergreifung, die 1936 in Kopenhagen seine Uraufführung erlebt. Außerdem entsteht das Einheitsfrontlied.

1935 arbeitet Brecht an der Szenenfolge Furcht und Elend des Dritten Reiches und besucht im Frühjahr Moskau. Im Juni wird ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. In Paris nimmt Brecht am Ersten Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur teil, bei dem er seine berühmte Rede Eine notwendige Feststellung zum Kampf gegen die Barbarei hält.

Im Sommer 1937 stellt Brecht die erste Fassung von Die Gewehre der Frau Carrar fertig, Brechts Stellungnahme zum spanischen Bürgerkrieg. Das Stück wird im Oktober in Paris uraufgeführt.

Im Mai 1938 reist Brecht nach Paris, um Szenen aus Furcht und Elend des Dritten Reiches für die Uraufführung im Mai einzustudieren. Die Musik stammt diesmal von Paul Dessau. In den Pariser Salons ist Brecht ein zwar gern gesehener, aber auch immer ein mit der Aura des Sonderbaren umgebener Gast, der nicht nur durch seine bewusst ungeordnete Kleidung auffällt, sondern sich selbst in diesem Ambiente des schönen Scheins und des small talk nicht wirklich wohlfühlt.

Im Sommer stellt Brecht die Sammlung Svendborger Gedichte zusammen und im November entsteht in nur drei Wochen die erste Fassung von Leben des Galilei, jenes uneindeutigen Anti-Helden zwischen Genie und Konformität. Im März 1939 entsteht Der gute Mensch von Sezuan, die Parabel um die Selbstentfremdung. Danach begibt sich Brecht für eine Vortragsreise nach Stockholm, benutzt aber die Gelegenheit, um nach Schweden überzusiedeln und lässt sich auf der Insel Lidingö nieder. Dort entstehen im Herbst Mutter Courage und ihre Kinder, die Bilder jener Mutter, die aus den sie umgebenden Katastrophen nichts lernt, und Das Verhör des Lukullus, ein weiteres Lehrstück, das sich mit dem Krieg auseinandersetzt.