Peter Weiss / Biographie

Von Dr. Gregor Ohlerich

Peter Ulrich Weiss wird am 8. November 1916 in Neubabelsberg bei Berlin geboren, doch Deutschland wird niemals zu seiner Heimat werden. Seine Eltern, Eugen Weiss, ein zum Christentum konvertierter jüdischer Textilfabrikant, und die Schauspielerin Frieda Weiss, geborene Hummel, wandern 1925 in die Vereinigten Staaten aus, kehren jedoch bereits 1929 nach Berlin zurück. Es bleibt weiterhin unruhig in Weiss' Leben. Nach dem missglückten Versuch der Familie, sich in Deutschland niederzulassen, werden sie durch den Nationalsozialismus 1934 zur Emigration nach England getrieben. 1936, Peter Weiss ist jetzt 20-jährig, reist er alleine nach Prag. 1938, nach der Besetzung des Sudetenlands durch die deutsche Wehrmacht, flieht er in die Schweiz und gelangt von dort aus schließlich 1939 nach Schweden. Ein Jahr später, nach vierzehn Jahren Odyssee, findet er in Stockholm den Ort, wo er sich niederlässt und bis zu seinem Tod lebt. Doch innere Ruhe findet er nur bedingt. 1943 heiratet er die Malerin und Bildhauerin Helga Henschen, 1949 Carlota Dothorey und schließlich 1964 Gunilla Palmstierna.

Obwohl er 1946 die schwedische Staatsbürgerschaft erhält, bleibt sein Blick stets auf Deutschland gerichtet. Verschiedene Reisen führen ihn immer wieder in sein Geburtsland und nach den ersten Versuchen, seine literarischen Texte in schwedischer Sprache zu verfassen, schreibt er spätestens ab den 1960er Jahren kontinuierlich auf Deutsch.

Seine künstlerische Karriere beginnt er als Maler. Ab 1936 studiert er an der Kunstakademie Prag, wo er für sein Gemälde „Das Gartenkonzert" den Akademiepreis erhält. Prägend wird für ihn die Bekanntschaft mit Hermann Hesse, einem väterlichen Freund, den er 1937 in Italien besucht. Im Austausch mit ihm entwickelt Weiss eine ganz eigene Bildersprache, die zunächst eher düster-expressiv ausfällt, später in die Nähe des magischen Realismus rückt.

Nach seiner Emigration nach Schweden verdient er seinen Lebensunterhalt unter anderem als Textilmusterzeichner und Lehrer an privaten Malschulen. Außerdem entstehen wichtige Bilder wie „Jahrmarkt am Stadtrand", „Zirkus", „Villa mia", später „Der Webstuhl II" und „Zersplitterter Kopf". Ab 1942 studiert er an der Stockholmer Kunstakademie und beteiligt sich an verschiedenen Kunstausstellungen, etwa 1944 an der Ausstellung „Konstnärer i landsflykt" (dt. „Künstler im Exil").