Theodor Fontane / Biographie

Das jähe Ende des Gastspiels als Akademiesekretär hat vor allem für Fontanes ohnehin von Krisen gezeichnete Ehe schlimme Folgen. Emilie fühlt sich persönlich gekränkt durch das mangelnde Bemühen um eine Sicherung des Lebensstandards, und sie hat wohl auch ernstlich Angst vor der Armut. Die Tochter Mete wächst in eine schwierige Rolle hinein: Sie ist die Vertraute des Vaters und muß oft genug zwischen den Ehepartnern vermitteln. Sie ist in noch höherem Maß als ihre Eltern mit psychischen Problemen belastet, die man damals noch als 'Nervosität' bezeichnet, und wird nicht nur die Stütze, sondern auch das Sorgenkind Fontanes bleiben.

Erst jetzt, ab dem 57. Lebensjahr, widmet sich Fontane mit voller Energie seiner eigentlichen Berufung. Er arbeitet an dem schon seit langem geplanten Roman Vor dem Sturm, der im Oktober 1878 in vier Bänden erscheint. Der Roman liegt ganz auf der Linie, die Fontane bereits mit seinen Balladen eingeschlagen hat; die preußische Geschichte und das märkische Junkertum geben auch hier den Stoff ab. Sehr erfolgreich wird dieser Roman nicht, die meisten Leser empfinden ihn als zu langatmig und allzu reich mit Anekdoten ausgeschmückt.

Das nächste Buch, die historische Erzählung Grete Minde, wird erheblich kürzer. Noch vor deren Erscheinen im Jahr 1880 beginnt Fontane mit Plänen zu den Romanen L’Adultera, Schach von Wuthenow und Graf Petöfy. Mit L’Adultera (,Die Ehebrecherin') erscheint der erste Berliner Ehe-Roman, der den typischen Fontane-Stil aufweist. Der Roman wird nicht sehr günstig aufgenommen, denn viele Leser empfinden die Darstellung als skandalös, und nach dem Vorabdruck von 1880 dauert es zwei Jahre, bis Fontane einen Verleger für die Buchausgabe findet.

Der Wechsel von einer journalistischen, beschreibenden Literaturform zur fiktionalen Romanliteratur fällt Fontane nicht leicht; letztere erscheint ihm anfangs noch "so affig und laffig", dass die Arbeit an den Wanderungen für ihn eine Art von Zuflucht bedeutet. 1881 erscheint deren letzter Band (Spreeland), der die finanzielle Lage der Familie ein wenig verbessert. 1882 folgen die Kriminalerzählung Ellernklipp und Schach von Wuthenow, ein historischer Roman um die Ereignisse des preußischen Schicksalsjahres 1806, der einigen Erfolg erzielt.