Kurzinhalt, Zusammenfassung: Fluchtpunkt

Der 1962 erschienene Roman „Fluchtpunkt“ schließt sich thematisch unmittelbar an die Erzählung „Abschied von den Eltern“ an. Dieser ebenfalls autobiographische Bericht beschreibt den Zeitraum von 1940 bis 1947. Der Autor, Sohn eines zum Christentum konvertierten jüdischen Textilfabrikanten, versucht seiner Herkunftswelt, in der sein Vater eine übermächtige Rolle innehat, zu entgehen.

In Stockholm, dem Endpunkt einer langen Odyssee durch Europa auf der Flucht vor den Nationalsozialisten, entschließt er sich, auf jegliche Sicherheit eines geordneten Arbeitslebens zu verzichten und stattdessen als Maler und Schriftsteller zu leben. In der Bindungslosigkeit, die ihm bisher durch seine Familie verwehrt war, hofft er, sich selbst verwirklichen zu können. Dieser Wunsch nach Einsamkeit geht zunächst so weit, dass er sich, im Gegensatz zu den allermeisten politischen Emigranten, wenig aus den rassischen Demütigungen gegenüber den Juden (zu denen er trotz allem gezählt wird) macht, solange seine gerade vom Vater erkämpfte persönliche Freiheit nicht eingeengt wird.

In dem Maße jedoch, in dem sich der Faschismus in Europa ausbreitet, erwächst in ihm immer stärker der Wille nach Solidarität und Dazugehörigkeit. Seine defensive Abwehr aller Bindungen führt ihn in einen Widerspruch mit der Realität. Zunächst lässt sich dieser Widerspruch mit seiner Malerei noch verdecken, die Nachrichten über die „Endlösung“ der Judenfrage erschüttert ihn jedoch zutiefst. Der so ausgelösten inneren existenziellen Krise versucht er erneut durch Flucht zu entgehen.

Sofort nach Beendigung des Krieges geht der Ich-Erzähler nach Paris. Hier schafft er es endlich, aus seiner selbst gewählten Isolation auszubrechen und in eine positiv verstandene Gemeinschaft einzutreten. Der Roman endet mit den Worten: „An diesem Abend, im Frühjahr 1947, auf dem Seinedamm in Paris, im Alter von dreißig Jahren, sah ich, daß ich teilhaben konnte an einem Austausch von Gedanken, der ringsum stattfand, an kein Land gebunden.“