Kurzinhalt, Zusammenfassung "Abschied von den Eltern" von Peter Weiss

Auslöser dieser autobiographischen Erzählung von 1961 von Peter Weiss ist der plötzliche Tod seiner Eltern. Im Text erinnert er sich an die Wirren in seiner Kindheit im Nazi-Deutschland und später auf der Flucht von England über Prag und die Schweiz nach Schweden. Ebenfalls thematisiert Weiss das Verhalten seiner allzu selbstsicheren und wenig feinfühligen Eltern, die ihm als Sohn zu wenig Platz zur eigenen Entfaltung einräumten. Insbesondere ist es der Vater gewesen, der ihn mit seiner überbordenden Energie und Aktivität lähmt. Der Sohn fühlt sich nicht in der Lage, einen eigenen Beruf auszuüben, er scheitert als Lehrling im Warenhaus ebenso wie als Volontär im väterlichen Kontor, da er sich stets in einem Konkurrenzverhältnis zu seinem Vater sieht. Lediglich in der Kunst scheint für ihn eine Möglichkeit zur eigenen Entfaltung und Befriedigung zu liegen. Doch der zunächst so ersehnte Besuch an der Kunstakademie wird zum Reinfall. Auch hier kann er sich nicht durchsetzen. Vielmehr zeigt diese Episode die Unfähigkeit des Sohnes, eigenständig zu leben. Er kehrt nach Hause zurück und arbeitet als Laborant in einer Dunkelkammer.

Das Prosastück endet aber versöhnlich. Der Ich-Erzähler hat eines Tages eine Vision, ein Jäger taucht in seinen Träumen auf, der ihn bestimmt fortzugehen und sein Leben neu zu beginnen: „Ich konnte den Traum nicht deuten, fühlte nur, daß eine Wandlung eingetreten war, daß neue Kräfte mein Leben beherrschten. ... Ich war auf dem Weg, auf der Suche nach einem eigenen Leben.“

Thematisch erinnert der Text vor allem mit seiner Kritik an der patriarchalen Macht der Vaterfigur an Franz Kafkas „Brief an den Vater“. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass Peter Weiss aus einer abgeklärten Position heraus schreibt. Er hat den Konflikt für sich verarbeitet und kann retrospektiv kritisch mit seiner eigenen Stellung innerhalb der Familie umgehen. Der Text ist somit keine Anklage gegenüber der Familie, sondern eine distanzierte, teils auch versöhnliche Beschreibung.