Ungekürztes Werk "Irrungen, Wirrungen" von Theodor Fontane (Seite 51)
desto besser. Ich kaufe mir denn (denn das Geld krieg’ ich) ’ne Dest’lation und weiß auch schon, wo, und denn heirat’ ich mir einen Wittmann und weiß auch schon, wen. Und er will auch. Denn das muß ich Ihnen sagen, ich bin für Ordnung und Anständigkeit, und die Kinder or’ntlich erziehn, und ob es seine sind oder meine, is janz egal … Und wie is es denn eigentlich mit Ihnen?«
Lene sagte kein Wort.
»Jott, Kind, Sie verfärben sich ja; Sie sind woll am Ende mit hier dabei« – und sie wies aufs Herz – »und tun alles aus Liebe? Ja, Kind, denn is es schlimm, denn gibt es ’nen Kladderadatsch.«
Johanna folgte mit Margot. Sie blieben absichtlich etwas zurück und brachen sich Birkenreiser ab, wie wenn sie vorhätten, einen Kranz daraus zu flechten. »Wie gefällt sie dir denn?« sagte Margot. »Ich meine die von Gaston.«
»Gefallen? Gar nich. Das fehlt auch noch, daß solche mitspielen und in Mode kommen! Sieh doch nur, wie ihr die Handschuh’ sitzen. Und mit dem Hut is auch nicht viel. Er dürfte sie gar nicht so gehn lassen. Und sie muß auch dumm sein, sie spricht ja kein Wort.«
»Nein«, sagte Margot, »dumm ist sie nicht; sie hat’s bloß noch nich weg. Und daß sie sich gleich an die gute Dicke ranmacht, das is doch auch klug genug.«
»Ach, die gute Dicke. Geh mir mit der. Die denkt, sie is es. Aber es is gar nichts mit ihr. Ich will ihr sonst nichts nachsagen, aber falsch ist sie, falsch wie Galgenholz.«
»Nein, Johanna, falsch is sie nu grade nich. Und sie hat dir auch öfter aus der Patsche geholfen. Du weißt schon, was ich meine.«
»Gott, warum? Weil sie selber mit drinsaß und weil sie sich ewig ziert und wichtig tut. Wer so dick ist, ist nie gut.«
»Jott, Johanna, was du nur redst. Umgekehrt is es, die Dicken sind immer gut.«
»Na meinetwegen. Aber das kannst du nicht bestreiten, daß sie ’ne lächerliche Figur macht. Sieh doch nur, wie sie dahinwatschelt; wie ’ne Fettente. Und immer bis oben ran zu, bloß weil sie sich sonst vor anständigen Leuten gar nicht sehen lassen kann. Und, Margot, das lass ich mir nicht nehmen, ein bißchen schlanke Figur ist doch die Hauptsache. Wir sind doch noch keine Türken. Und warum wollte sie nicht mit auf den Kirchhof? Weil sie sich jrault? I bewahre, sie denkt nich dran, bloß weil sie sich wieder eingeknallt hat und es vor Hitze nicht aushalten kann. Und is eigentlich nich mal so furchtbar heiß heute.«
So gingen die Gespräche, bis sich die beiden Paare schließlich wieder vereinigten und auf einen mit Moos bewachsenen Grabenrand setzten.
Isabeau sah öfter nach der Uhr; der Zeiger wollte nicht recht vom Fleck.
Als es aber halb zwölf war, sagte sie: »Nun, meine Damen, ist es Zeit; ich denke, wir haben jetzt gerade genug Natur gehabt und können mit Fug und Recht zu was andrem übergehen. Seit heute früh um sieben eigentlich keinen Bissen. Denn die Grünauer Schinkenstulle kann ich doch nicht rechnen … Aber Gott sei Dank, alles