Ungekürztes Werk "Schach von Wuthenow" von Theodor Fontane (Seite 61)
oll Bienengräber.”
“Bei dem bin ich ja eingesegnet. War immer ein sehr guter Mann.”
“Joa, dat is he. Man blot, he hett keene Teihn mihr, ook nich een', un nu brummelt un mummelt he ümmerto, un keen Minsch versteiht em.”
“Das ist gewiß nicht so schlimm, Mutter Kreepschen. Aber die Leute haben immer was auszusetzen. Und nun gar erst die Bauern! Ich will hingehen und mal wieder nachsehen, was mir der alte Bienengräber zu sagen hat, mir und den andern. Hat er denn noch in seiner Stube das große Hufeisen, dran ein Zehnpfundgewicht hing? Das hab ich mir immer angesehen, wenn ich nicht aufpaßte.”
“Dat woahrd he woll noch hebben. De Jungens passen joa all' nich upp.”
Und nun ging sie, um ihren jungen Herrn nicht länger zu stören, und versprach, ihm ein Gesangbuch zu bringen.
Schach hatte guten Appetit und ließ sich die Herzberger Semmeln schmecken. Denn seit er Berlin verlassen, war noch kein Bissen über seine Lippen gekommen. Endlich aber stand er auf, um in die Gartentür zu treten und sah von hier aus über das Rondell und die Buchsbaumrabatten und weiter dahinter auf die Baumwipfel des Parkes fort, bis sein Auge schließlich auf einem sonnenbeschienenen Storchenpaar ausruhte, das unten, am Fuße des Hügels, über eine mit Ampfer und Ranunkeln rot und gelb gemusterte Wiese hinschritt.
Er verfiel im Anblicke dieses Bildes in allerlei Betrachtungen; aber es läutete gerade zum dritten Male, und so ging er denn ins Dorf hinunter, um, von dem herrschaftlichen Chorstuhl aus, zu hören, “was ihm der alte Bienengräber zu sagen habe.”
Bienengräber sprach gut genug, so recht aus dem Herzen und der Erfahrung heraus, und als der letzte Vers gesungen und die Kirche wieder leer war, wollte Schach auch wirklich in die Sakristei gehen, dem Alten danken für manches gute Wort aus längst vergangener Zeit her und ihn in seinem Boot über den See hin zurückbegleiten. Unterwegs aber wollt er ihm alles sagen, ihm beichten und seinen Rat erbitten. Er würde schon Antwort wissen. Das Alter sei allemal weise, und wenn nicht von Weisheits-, so doch bloß schon von Alters wegen. “Aber”, unterbrach er sich mitten in diesem Vorsatze, “was soll mir schließlich seine Antwort? hab ich diese Antwort nicht schon vorweg? hab ich sie nicht in mir selbst? Kenn ich nicht die Gebote? Was mir fehlt, ist bloß die Lust, ihnen zu gehorchen.”
Und während er so vor sich hinredete, ließ er den Plan eines Zwiegesprächs fallen und stieg den Schloßberg wieder hinauf.
Er hatte von dem Gottesdienst in der Kirche nichts abgehandelt, und doch schlug es erst zehn, als er wieder oben anlangte. – Hier ging er jetzt durch alle Zimmer, einmal, zweimal, und sah sich die Bilder aller der Schachs an, die zerstreut und in Gruppen an den Wänden umherhingen. Alle waren in hohen Stellungen in der Armee gewesen, alle trugen sie den Schwarzen Adler oder den Pour le Mérite. Das hier war der General, der bei Malplaquet die große Redoute nahm, und das hier war das Bild seines eigenen Großvaters, des Obersten im Regiment Itzenplitz, der den Hochkirchner Kirchhof