Ungekürztes Werk "Das Wirtshaus im Spessart" von Wilhelm Hauff (Seite 35)
»Hab' ich dich jetzt, Schatzhauser im grünen Tannenwald? Und den dritten Wunsch will ich jetzt tun, den sollst du mir gewähren. So will ich hier auf der Stelle zweimal hunderttausend harte Taler und ein Haus und – o weh!« schrie er und schüttelte die Hand, denn das Waldmännlein hatte sich in glühendes Glas verwandelt und brannte wie sprühendes Feuer. Aber von dem Männlein war nichts mehr zu sehen.
Mehrere Tage lang erinnerte ihn seine geschwollene Hand an seine Undankbarkeit und Torheit. Dann aber übertäubte er sein Gewissen und sprach: »Und wenn sie mir die Glashütte und alles verkaufen, so bleibt mir doch immer der dicke Ezechiel. Solange der Geld hat am Sonntag, kann es mir nicht fehlen.«
Ja, Peter, aber wenn er keines hat? Und so geschah es eines Tages und war ein wunderliches Rechenexempel. Denn eines Sonntags kam er angefahren ans Wirtshaus, und die Leute streckten die Köpfe durch die Fenster, und der eine sagte: »Da kommt der Spielpeter«, und der andere: »Ja, der Tanzkaiser, der reiche Glasmann.«
Und ein dritter schüttelte den Kopf und sprach: »Mit dem Reichtum kann man es machen; man sagt allerlei von seinen Schulden, und in der Stadt hat einer gesagt, der Amtmann werde nicht mehr lange säumen zum Auspfänden.«
Indessen grüßte der reiche Peter die Gäste am Fenster vornehm und gravitätisch, stieg vom Wagen und schrie: »Sonnenwirt, guten Abend! Ist der dicke Ezechiel schon da?«
Und eine tiefe Stimme rief: »Nur herein, Peter! Dein Platz ist dir aufbehalten; wir sind schon da und bei den Karten.«
So trat Peter Munk in die Wirtsstube, fuhr gleich in die Tasche und merkte, daß Ezechiel gut versehen sein müsse, denn seine Tasche war bis oben angefüllt.
Er setzte sich hinter den Tisch zu den anderen und spielte und gewann und verlor hin und her, und so spielten sie, bis andere, ehrliche Leute, als es Abend wurde, nach Hause gingen, und spielten bei Licht, bis zwei andere Spieler sagten: »Jetzt ist's genug, und wir müssen heim zu Frau und Kind.«
Aber Spielpeter forderte den dicken Ezechiel auf, zu bleiben. Dieser wollte lange nicht; endlich aber rief er: »Gut, jetzt will ich mein Geld zählen, und dann wollen wir knöcheln; den Satz um fünf Gulden, denn niederer ist es doch nur Kinderspiel.«
Er zog den Beutel und zählte und fand hundert Gulden bar, und Spielpeter wußte nun, wieviel er selbst habe, und brauchte es nicht erst zu zählen. Aber hatte Ezechiel vorher gewonnen, so verlor er jetzt Satz für Satz und fluchte greulich dabei. Warf er einen Pasch, gleich warf Spielpeter auch einen, und immer zwei Augen höher.
Da setzte er endlich die letzten fünf Gulden auf den Tisch und rief: »Noch einmal; und wenn ich auch den noch verliere, so höre ich doch nicht auf, dann leihst du mir von deinem Gewinn, Peter; ein ehrlicher Kerl hilft dem andern.«
»Soviel du willst; und wenn es hundert Gulden sein sollten«, sprach der Tanzkaiser, fröhlich über seinen Gewinn, und der dicke Ezechiel schüttelte die Würfel und warf fünfzehn.
»Pasch!« rief er. »Jetzt wollen wir sehen!«
Peter aber warf achtzehn, und eine heisere,