Ungekürztes Werk "Die Karawane" von Wilhelm Hauff (Seite 51)

Hofbedienten. Der Küchenmeister Ahuli sagte: »Er ist ein Falschmünzer.«

Der Sklavenaufseher Achmed sagte: »Er hat's dem König abgeschwatzt.«

Archaz, der Schatzmeister aber, sein ärgster Feind, der selbst hie und da einen Griff in des Königs Kasse tun mochte, sagte gerade zu: »Er hat's gestohlen.«

Um nun ihrer Sache gewiß zu sein, verabredeten sie sich, und der Obermundschenk Korchuz stellte sich eines Tages recht traurig und niedergeschlagen vor den Augen des Königs. Er machte seine traurigen Gebärden so auffallend, daß ihn der König fragte, was ihm fehle. »Ach«, antwortete er, »ich bin traurig, daß ich die Gnade meines Herrn verloren habe.«

»Was fabelst du, Freund Korchuz?« entgegnete ihm der König. »Seit wann hätte ich die Sonne meiner Gnade nicht über dich leuchten lassen?«

Der Obermundschenk antwortete ihm, daß er ja den geheimen Oberleibläufer mit Gold belade, seinen armen treuen Dienern aber nichts gebe.

Der König war sehr erstaunt über diese Nachricht, ließ sich die Goldausteilungen des Kleinen Muck erzählen, und die Verschworenen brachten ihm leicht den Verdacht bei, daß Muck auf irgendeine Art das Geld aus der Schatzkammer gestohlen habe. Sehr lieb war diese Wendung der Sache dem Schatzmeister, der ohnehin nicht gerne Rechnung ablegte. Der König gab daher den Befehl, heimlich auf alle Schritte des Kleinen Muck achtzugeben, um ihn womöglich auf der Tat zu ertappen.

Als nun in der Nacht, die auf diesen Unglückstag folgte, der kleine Muck, da er durch seine Freigebigkeit seine Kasse sehr erschöpft sah, den Spaten nahm und in den Schloßgarten schlich, um dort von seinem geheimen Schatze neuen Vorrat zu holen, folgten ihm von weitem die Wachen, von dem Küchenmeister Ahuli und Archaz, dem Schatzmeister, angeführt, und in dem Augenblick, da er das Gold aus dem Topf in sein Mäntelein legen wollte, fielen sie über ihn her, banden ihn und führten ihn sogleich vor den König. Dieser, den ohnehin die Unterbrechung seines Schlafes mürrisch gemacht hatte, empfing seinen armen geheimen Oberleibläufer sehr un­gnädig und stellte sogleich das Verhör über ihn an.

Man hatte den Topf vollends aus der Erde gegraben und mit dem Spaten und mit dem Mäntelein voll Gold vor die Füße des Königs gesetzt. Der Schatzmeister sagte aus, daß er mit seinen Wachen den Muck überrascht habe, wie er diesen Topf mit Gold gerade in die Erde gegraben habe.

Der König befragte hierauf den Angeklagten, ob es wahr sei und woher er das Gold, das er vergraben, bekommen habe.

Der Kleine Muck, im Gefühle seiner Unschuld, sagte aus, daß er diesen Topf im Garten entdeckt habe, daß er ihn nicht ein-, sondern ausgraben habe wollen.

Alle Anwesenden lachten laut über diese Entschuldigung; der König aber, aufs höchste erzürnt über die vermeintliche Frechheit des Kleinen, rief aus: »Wie, Elender, du willst deinen König so dumm und schändlich belügen, nachdem du ihn bestohlen hast? Schatzmeister Archaz, ich fordere dich auf zu sagen, ob du diese Summe Goldes für die nämliche erkennst, die in meinem Schatze fehlt!«

Der Schatzmeister aber antwortete, er sei seiner Sache ganz gewiß, soviel und noch mehr fehle seit einiger Zeit in dem königlichen Schatz, und er könne einen Eid darauf ablegen, daß

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