Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 32)

Ihr, mein gnädigster Herr, seht in der Tat so absonderlich aus, daß Ihr ganz dem Bilde ähnlich seid, das die hochlöbliche Landesregierung von einem großen Räuber und Hauptspitzbuben, geschrieben und beschrieben nach allen Qualitäten, an Uns, den Richter, geschickt hat. Also nur ohne alle weitere Umstände und zeremonische Worte den Paß, oder in den Turm!« – Ich sah, daß mit dem Mann so nichts auszurichten war, ich schickte mich daher an zu einem andern Versuch. »Gestrenger Herr Richter«, sprach ich, »wenn Ihr mir die Gnade erzeigen wolltet, daß ich mit Euch allein sprechen dürfte so wollte ich alle Eure Zweifel leicht aufklären und im Vertrauen auf Eure Klugheit Euch das Geheimnis offenbaren, das mich in dem Aufzuge, der Euch so auffallend dünkt, herführt.« – »Ha, ha! Geheimnisse offenbaren!« sprach der Richter. »Ich merke schon, was das sein wird; nun, geht nur hinaus, ihr Leute, bewacht die Türe und das Fenster und laßt niemanden hinein und heraus!« – Als wir allein waren, fing ich an: »Ihr seht in mir, Herr Richter, einen unglücklichen Flüchtling, dem es endlich durch seine Freunde glückte, einem schmachvollen Gefängnis und der Gefahr, auf ewig ins Kloster gesperrt zu werden, zu entgehen. Erlaßt mir die näheren Umstände meiner Geschichte, die das Gewebe von Ränken und Bosheiten einer rachsüchtigen Familie ist. Die Liebe zu einem Mädchen niedern Standes war die Ursache meiner Leiden. In dem langen Gefängnis war mir der Bart gewachsen, und man hatte mir schon die Tonsur geben lassen, wie Ihr's bemerken könnet, sowie ich auch in dem Gefängnis, in dem ich schmachtete, in eine Mönchskutte gekleidet gehen mußte. Erst nach meiner Flucht, hier im Walde, durfte ich mich umkleiden, weil man mich sonst ereilt haben würde. Ihr merkt nun selbst, woher das Auffallende in meinem Äußern rührt, das mich bei Euch in solch bösen Verdacht gesetzt hat. Einen Paß kann ich Euch, wie Ihr seht, nun nicht vorzeigen, aber für die Wahrheit meiner Behauptungen habe ich gewisse Gründe, die Ihr wohl für richtig anerkennen werdet.« – Mit diesen Worten zog ich den Geldbeutel hervor, legte drei blanke Dukaten auf den Tisch, und der gravitätische Ernst des Herrn Richters verzog sich zum schmunzelnden Lächeln. »Eure Gründe, mein Herr«, sagte er, »sind gewiß einleuchtend genug, aber nehmt es nicht übel, mein Herr! Es fehlt ihnen noch eine gewisse überzeugende Gleichheit nach allen Qualitäten! Wenn Ihr wollt, daß ich das Ungerade für gerade nehmen soll, so müssen Eure Gründe auch so beschaffen sein.« – Ich verstand den Schelm und legte noch einen Dukaten hinzu. »Nun sehe ich«, sprach der Richter, »daß ich Euch mit meinem Verdacht unrecht getan habe; reiset nur weiter, aber schlagt, wie Ihr es wohl gewohnt sein möget, hübsch die Nebenwege ein, haltet Euch von der Heerstraße ab, bis Ihr Euch des verdächtigen Äußern ganz entledigt.« – Er öffnete die Türe nun weit und rief laut der versammelten Menge entgegen: »Der Herr da drinnen ist ein vornehmer Herr nach allen Qualitäten, er hat sich Uns, dem Richter, in einer geheimen Audienz entdeckt, er reiset inkognito,

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