Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 38)
der Welt bewegt, der reiche Kaufmann, der wohlhabende Bürger: alles hängt in meines Damons Laden vor Ihren Augen; in wenigen Augenblicken sollen sich die Meisterstücke meines Freundes Ihrem Blick entfalten.« – Er hüpfte schnell von dannen und erschien bald mit einem großen, starken, anständig gekleideten Manne wieder, der gerade den Gegensatz des Kleinen machte, sowohl im Äußern als in seinem ganzen Wesen, und den er mir doch eben als seinen Damon vorstellte. – Damon maß mich mit den Augen und suchte selbst aus der Kollektion, die ihm ein Bursche nachgetragen, Kleidungsstücke heraus, die den Wünschen, welche ich ihm eröffnet, ganz entsprachen. Ja, erst in der Folge habe ich den feinen Takt des Kostümkünstlers, wie ihn der Kleine preziös nannte, eingesehen, der in dem Sinn durchaus nicht aufzufallen, sondern unbemerkt und doch beim Bemerktwerden geachtet, ohne Neugierde über Stand, Gewerbe und so weiter zu erregen, zu wandeln, so richtig wählte. Es ist in der Tat schwer, sich so zu kleiden, daß der gewisse allgemeinere Charakter des Anzuges irgendeine Vermutung, man treibe dies oder jenes Gewerbe, nicht aufkommen läßt, ja daß niemand daran denkt, darauf zu sinnen. Das Kostüm des Weltbürgers wird wohl nur durch das Negative bedingt und läuft ungefähr darauf hinaus, was man das gebildete Benehmen heißt, das auch mehr im Unterlassen als im Tun liegt. – Der Kleine ergoß sich noch in allerlei sonderbaren grotesken Redensarten, ja da ihm vielleicht wenige so williges Ohr verliehen als ich, schien er überglücklich, sein Licht recht leuchten lassen zu können. – Damon, ein ernster und, wie mir schien, verständiger Mann, schnitt ihm aber plötzlich die Rede ab, indem er ihn bei der Schulter faßte und sprach: »Schönfeld, du bist heute wieder einmal recht im Zuge, tolles Zeug zu schwatzen; ich wette, daß dem Herrn schon die Ohren wehe tun von all dem Unsinn, den du vorbringst.« – Belcampo ließ traurig sein Haupt sinken, aber dann ergriff er schnell den bestaubten Hut und rief laut, indem er zur Türe hinaussprang: »So werd' ich prostituiert von meinen besten Freunden!« – Damon sagte, indem er sich mir empfahl: »Es ist ein Hasenfuß ganz eigner Art, dieser Schönfeld! – Das viele Lesen hat ihn halb verrückt gemacht, aber sonst ein gutmütiger Mensch und in seinem Metier geschickt, weshalb ich ihn leiden mag, denn leistet man recht viel wenigstens in einer Sache, so kann man sonst wohl etwas weniges über die Schnur hauen.« –
Als ich allein war, fing ich vor dem großen Spiegel, der im Zimmer aufgehängt war, eine förmliche Übung im Gehen an. Der kleine Friseur hatte mir einen richtigen Fingerzeig gegeben. Den Mönchen ist eine gewisse schwerfällige, ungelenke Geschwindigkeit im Gehen eigen, die durch die lange Kleidung, welche die Schritte hemmt, und durch das Streben, sich schnell zu bewegen, wie es der Kultus erfordert, hervorgebracht wird. Ebenso liegt in dem zurückgebeugten Körper und in dem Tragen der Arme, die niemals herunterhängen dürfen, da der Mönch die Hände, wenn er sie nicht faltet, in die weiten Ärmel der Kutte steckt, etwas so Charakteristisches, das dem Aufmerksamen