Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 53)
vergaß, der ausgeleerten Korbflasche zu gedenken. »Ei, das ist schlimm«, sagte der Förster, »doch Sie scheinen mir ein mutiger frommer Mann, ein anderer hätte des Todes sein können vor Schreck.« Ich bat ihn, mir näher zu sagen, was es mit dem wahnsinnigen Mönch für eine Bewandtnis habe. »Ach«, erwiderte der Alte, »das ist eine lange abenteuerliche Geschichte, so was taugt nicht beim Essen. Schlimm genug schon, daß uns der garstige Mensch, eben als wir, was uns Gott beschert, froh und freudig genießen wollten, mit seinem freveligen Beginnen so gestört hat; aber nun wollen wir auch gleich an den Tisch.« Damit zog er sein Mützchen ab, sprach andächtig und fromm das Gratias, und unter lustigen, frohen Gesprächen verzehrten wir das ländliche, kräftig und schmackhaft zubereitete Mahl. Dem Gast zu Ehren ließ der Alte guten Wein heraufbringen, den er mir nach patriarchalischer Sitte aus einem schönen Pokal zutrank. Der Tisch war indessen abgeräumt, die Jägerburschen nahmen ein paar Hörner von der Wand und bliesen ein Jägerlied. – Bei der zweiten Wiederholung fielen die Mädchen singend ein, und mit ihnen wiederholten die Försterssöhne im Chor die Schlußstrophe. – Meine Brust erweiterte sich auf wunderbare Weise: seit langer Zeit war mir nicht im Innersten so wohl gewesen als unter diesen einfachen, frommen Menschen. Es wurden mehrere gemütliche wohltönende Lieder gesungen, bis der Alte aufstand und mit dem Ausruf: »Es leben alle braven Männer, die das edle Weidwerk ehren!« sein Glas leerte; wir stimmten alle ein, und so war das frohe Mahl, das mir zu Ehren durch Wein und Gesang verherrlicht wurde, beschlossen.
Der Alte sprach zu mir: »Nun, mein Herr, schlafe ich ein halbes Stündchen, aber dann gehen wir in den Wald, und ich erzähle es Ihnen, wie der Mönch in mein Haus gekommen und was ich sonst von ihm weiß. Bis dahin tritt die Dämmerung ein, dann gehen wir auf den Anstand, da es, wie mir Franz sagt, Hühner gibt. Auch Sie sollen ein gutes Gewehr erhalten und Ihr Glück versuchen.« Die Sache war mir neu, da ich als Seminarist zwar manchmal nach der Scheibe, aber nie nach Wild geschossen; ich nahm daher des Försters Anerbieten an, der höchlich darüber erfreut schien und mir mit treuherziger Gutmütigkeit in aller Eil noch vor dem Schlaf, den er zu tun gedachte, die ersten, unentbehrlichsten Grundsätze der Schießkunst beizubringen suchte.
Ich wurde mit Flinte und Jagdtasche ausgerüstet, und so zog ich mit dem Förster in den Wald, der die Geschichte von dem seltsamen Mönch in folgender Art anfing.
»Künftigen Herbst sind es schon zwei Jahre her, als meine Burschen im Walde oft ein entsetzliches Heulen vernahmen, das, so wenig Menschliches es auch hatte, doch wie Franz, mein jüngst angenommener Lehrling, meinte, von einem Menschen herrühren mochte. Franz war dazu bestimmt, von dem heulenden Ungetüm geneckt zu werden, denn wenn er auf den Anstand ging, so verscheuchte das Heulen, welches sich dicht bei ihm hören ließ, die Tiere, und er sah zuletzt, wenn er auf ein Tier anlegen wollte, ein borstiges unkenntliches Wesen aus dem Gebüsch springen, das seinen Schuß