Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 56)

Kehle gepackt hatte. Ohne mich zu besinnen, faßte ich den Mönch und riß ihn von Franzen weg, aber plötzlich, noch weiß ich nicht, wie das zugegangen, blinkte ein Messer in des Mönchs Faust, er stieß nach mir, aber Franz, der sich aufgerafft, fiel ihm in den Arm, und mir, der ich nun wohl ein starker Mann bin, gelang es bald, den Rasenden so fest an die Mauer zu drücken, daß ihm schier der Atem ausgehen wollte. Die Burschen waren ob dem Lärm alle wach geworden und herbeigelaufen; wir banden den Mönch und schmissen ihn in den Turm, ich holte aber meine Hetzpeitsche herbei und zählte ihm zur Abmahnung von künftigen Untaten ähnlicher Art einige kräftige Hiebe auf, so daß er ganz erbärmlich ächzte und wimmerte; aber ich sprach: ›Du Bösewicht, das ist noch viel zu wenig für deine Schändlichkeit, daß du meine Tochter verführen wolltest und mir nach dem Leben getrachtet, eigentlich solltest du sterben.‹ – Er heulte vor Angst und Entsetzen, denn die Furcht vor dem Tode schien ihn ganz zu vernichten. Den andern Morgen war es nicht möglich, ihn fortzubringen, denn er lag totenähnlich in gänzlicher Abspannung da und flößte mir wahres Mitleiden ein. Ich ließ ihm in einem bessern Gemach ein gutes Bette bereiten, und meine Alte pflegte seiner, indem sie ihm stärkende Suppen kochte und aus unserer Hausapotheke das reichte, was ihm dienlich schien. Meine Alte hat die gute Gewohnheit, wenn sie einsam sitzt, oft ein andächtig Lied anzustimmen, aber wenn es ihr recht wohl ums Herz sein soll, muß meine Anne mit ihrer hellen Stimme ihr solch ein Lied vorsingen. – Das geschah nun auch vor dem Bette des Kranken. – Da seufzte er oft tief und sah meine Alte und die Anne mit recht wehmütigen Blicken an, oft flossen ihm die Tränen über die Wangen. Zuweilen bewegte er die Hand und die Finger, als wolle er sich kreuzigen, aber das gelang nicht, die Hand fiel kraftlos nieder; dann stieß er auch manchmal leise Töne aus, als wolle er in den Gesang einstimmen. Endlich fing er an, zusehends zu genesen, jetzt schlug er oft das Kreuz nach Sitte der Mönche und betete leise. Aber ganz unvermutet fing er einmal an, lateinische Lieder zu singen, die meiner Alten und der Anne, unerachtet sie die Worte nicht verstanden, mit ihren ganz wunderbaren heiligen Tönen bis ins Innerste drangen, so daß sie nicht genug sagen konnten, wie der Kranke sie erbaue.

Der Mönch war so weit hergestellt, daß er aufstehen und im Hause umherwandeln konnte, aber sein Aussehen, sein Wesen war ganz verändert. Die Augen blickten sanft, statt daß sonst ein gar böses Feuer in ihnen funkelte; er schritt ganz nach Klostersitte leise und andächtig mit gefalteten Händen umher; jede Spur des Wahnsinns war verschwunden. Er genoß nichts als Gemüse, Brot und Wasser, und nur selten konnte ich ihn in der letzten Zeit dahin bringen, daß er sich an meinen Tisch setzte und etwas von den Speisen genoß sowie einen kleinen Schluck Wein trank. Dann sprach er das Gratias

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