Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 65)

gebildete, geistreiche Fremde im Zirkel des Hofes willkommen wäre. Ich dürfe nur dem Hofmarschall den Besuch machen und ihn bitten, mich dem Fürsten vorzustellen. Diese diplomatische Art, zum Fürsten zu gelangen, gefiel mir um so weniger, als ich kaum hoffen konnte, gewissen lästigen Fragen des Hofmarschalls über das »Woher?«, über Stand und Charakter zu entgehen; ich beschloß daher, dem Zufall zu vertrauen, der mir vielleicht den kürzeren Weg zeigen würde, und das traf auch in der Tat bald ein. Als ich nämlich eines Morgens in dem zur Stunde gerade ganz menschenleeren Park lustwandelte, begegnete mir der Fürst in einem schlichten Oberrock. Ich grüßte ihn, als sei er mir gänzlich unbekannt, er blieb stehen und eröffnete das Gespräch mit der Frage, ob ich fremd hier sei. – Ich bejahte es, mit dem Zusatz, wie ich vor ein paar Tagen angekommen und bloß durchreisen wollte; die Reize des Orts und vorzüglich die Gemütlichkeit und Ruhe, die hier überall herrsche, hätten mich aber vermocht zu verweilen. Ganz unabhängig, bloß der Wissenschaft und der Kunst lebend, wäre ich gesonnen, recht lange hier zu bleiben, da mich die ganze Umgebung auf höchste Weise anspreche und anziehe. Dem Fürsten schien das zu gefallen, und er erbot sich, mir als Cicerone alle Anlagen des Parks zu zeigen. Ich hütete mich, zu verraten, daß ich das alles schon gesehen, sondern ließ mich durch alle Grotten, Tempel, gotischen Kapellen, Pavillons führen und hörte geduldig die weitschweifigen Kommentare an, die der Fürst von jeder Anlage gab. Überall nannte er die Muster, nach welchen gearbeitet worden, machte mich auf die genaue Ausführung der gestellten Aufgaben aufmerksam und verbreitete sich überhaupt über die eigentliche Tendenz, die bei der ganzen Einrichtung dieses Parks zum Grunde gelegen und die bei jedem Park vorwalten sollte. Er frug nach meiner Meinung; ich rühmte die Anmut des Orts, die üppige herrliche Vegetation, unterließ aber auch nicht, rücksichts der Gebäude mich ebenso wie gegen den Galerieinspektor zu äußern. Er hörte mich aufmerksam an, er schien manches meiner Urteile nicht gerade zu verwerfen, indessen schnitt er jede weitere Diskussion über diesen Gegenstand durch die Äußerung ab, daß ich zwar in ideeller Hinsicht recht haben könne, indessen mir die Kenntnis des Praktischen und der wahren Art der Ausführung fürs Leben abzugehen scheine. Das Gespräch wandte sich zur Kunst, ich bewies mich als guter Kenner der Malerei und als praktischer Tonkünstler, ich wagte manchen Widerspruch gegen seine Urteile, die geistreich und präzis seine innere Überzeugung aussprachen, aber auch wahrnehmen ließen, daß seine Kunstbildung zwar bei weitem die übertraf, wie sie die Großen gemeinhin zu erhalten pflegen, indessen doch viel zu oberflächlich war, um nur die Tiefe zu ahnen, aus der dem wahren Künstler die herrliche Kunst aufgeht und in ihm den göttlichen Funken des Strebens nach dem Wahrhaftigen entzündet. Meine Widersprüche, meine Ansichten galten ihm nur als Beweis meines Dilettantismus, der gewöhnlich nicht von der wahren praktischen Einsicht erleuchtet werde. Er belehrte mich über die wahren Tendenzen der Malerei und der Musik, über die Bedingnisse des Gemäldes, der Oper. – Ich

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