Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 77)
England, mir es beweisen zu können, daß er es verstehe, das köstliche Getränk zu bereiten. – Ich wußte, was ich davon zu denken hatte. – Bald darauf traten auch die eingeladenen Gäste ein. Der Amtmann war ein kleines kugelrundes, höchst freundliches Männlein mit vergnügt blickenden Augen und einem roten Näschen; der Doktor Green ein robuster Mann von mittlern Jahren mit einem auffallenden Nationalgesicht, modern, aber nachlässig gekleidet, Brill' auf der Nase, Hut auf dem Kopfe. – ›Gebt mir Sekt, daß meine Augen rot werden!‹ rief er pathetisch, indem er auf den Wirt zuschritt und ihn, bei der Brust packend, heftig schüttelte: ›Halunkischer Kambyses, sprich! Wo sind die Prinzessinnen? Nach Kaffee riecht's und nicht nach Trank der Götter!‹ – ›Laß ab von mir, o Held, weg mit der starken Faust, zermalmst im Zorne mir die Rippen!‹ – rief der Wirt keuchend. ›Nicht eher, feiger Schwächling‹, fuhr der Doktor fort, ›bis süßer Dampf des Punsches, Sinn umnebelnd, Nase kitzelt, nicht eher laß ich dich, du ganz unwerter Wirt!‹ – Aber nun schoß Ewson grimmig auf den Doktor los und schalt: ›Unwürd'ger Green! Grün soll's dir werden vor den Augen, ja greinen sollst du gramerfüllt, wenn du nicht abläßt von schmachvoller Tat!‹ – Nun, dacht' ich, würde Zank und Tumult losbrechen, aber der Doktor sagte: ›So will ich, feiger Ohnmacht spottend, ruhig sein und harrn des Göttertranks, den du bereitet, würd'ger Ewson.‹ – Er ließ den Wirt los, der eiligst davonsprang, setzte sich mit einer Cato-Miene an den Tisch, ergriff die gestopfte Pfeife und blies große Dampfwolken von sich. – ›Ist das nicht, als wäre man im Theater?‹ sagte der freundliche Amtmann zu mir. ›Aber der Doktor, der sonst kein deutsches Buch in die Hand nimmt, fand zufällig Schlegels Shakespeare bei mir, und seit der Zeit spielt er, nach seinem Ausdruck, uralte bekannte Melodien auf einem fremden Instrumente. Sie werden bemerkt haben, daß sogar der Wirt rhythmisch spricht, der Doktor hat ihn sozusagen eingejambt.‹ – Der Wirt brachte den dampfenden Punschnapf, und unerachtet Ewson und Green schwuren, er sei kaum trinkbar, so stürzten sie doch ein großes Glas nach dem andern hinab. Wir führten ein leidlich Gespräch. Green blieb wortkarg, nur dann und wann gab er auf komische Weise, die Opposition behauptend, etwas von sich. So sprach zum Beispiel der Amtmann von dem Theater in der Stadt, und ich versicherte, der erste Held spiele vortrefflich. – ›Das kann ich nicht finden‹, fiel sogleich der Doktor ein, ›glauben Sie nicht, daß, hätte der Mann sechsmal besser gespielt, er des Beifalls viel würd'ger sein würde?‹ Ich mußte das notgedrungen zugeben und meinte nur, daß dies sechsmal-besser-Spielen dem Schauspieler not tue, der die zärtlichen Väter ganz erbärmlich tragiere. ›Das kann ich nicht finden‹, sagte Green wieder, ›der Mann gibt alles, was er in sich trägt! Kann er dafür, daß seine Tendenz sich zum Schlechten hinneigt? Er hat es aber im Schlechten zu rühmlicher Vollkommenheit gebracht, man muß ihn deshalb loben!‹ – Der Amtmann saß mit seinem Talent, die beiden anzuregen zu allerlei tollen Einfällen und Meinungen,