Ungekürztes Werk "Die Elixiere des Teufels" von E. T. A. Hoffmann (Seite 90)

Glut ... Ihr Puls geht fieberhaft ... Ihre Sprache klingt dumpf ... soll ich Ihnen etwas aufschreiben?« – »Gift!« sprach ich kaum vernehmbar. – »Hoho!« rief der Leibarzt. »Steht es so mit Ihnen? Nun, nun, statt des Gifts das niederschlagende Mittel zerstreuender Gesellschaft. Es kann aber auch sein, daß ... Wunderlich ist es aber doch ... vielleicht ...« – »Ich bitte Sie, mein Herr!« rief ich ganz erzürnt. – »Ich bitte Sie, mich nicht mit abgebrochenen unverständlichen Reden zu quälen, sondern lieber geradezu alles ...« – »Halt!« unterbrach mich der Leibarzt. »Halt! ... Es gibt die wunderlichsten Täuschungen, mein Herr Leonard, beinahe ist's mir gewiß, daß man auf augenblicklichen Eindruck eine Hypothese gebaut hat, die vielleicht in wenigen Minuten in nichts zerfällt. Dort kommt die Fürstin mit Aurelien, nützen Sie dieses zufällige Zusammentreffen, entschuldigen Sie Ihr Betragen ... Eigentlich ... mein Gott! Eigentlich haben Sie ja auch nur gelacht .... freilich auf etwas wunderliche Weise, wer kann aber dafür, daß schwachnervige Personen darüber erschrecken? Adieu!« –

Der Leibarzt sprang mit der ihm eignen Behendigkeit davon. Die Fürstin kam mit Aurelien den Gang herab. – Ich erbebte. – Mit aller Gewalt raffte ich mich zusammen. Ich fühlte nach des Leibarztes geheimnisvollen Reden, daß es nun galt, mich auf der Stelle zu behaupten. Keck trat ich den Kommenden entgegen. Als Aurelie mich ins Auge faßte, sank sie mit einem dumpfen Schrei wie tot zusammen, ich wollte hinzu, mit Abscheu und Entsetzen winkte mich die Fürstin fort, laut um Hilfe rufend. Wie von Furien und Teufeln gepeitscht, rannte ich fort durch den Park. Ich schloß mich in meine Wohnung ein und warf mich, vor Wut und Verzweiflung knirschend, aufs Lager! – Der Abend kam, die Nacht brach ein, da hörte ich die Haustüre aufschließen, mehrere Stimmen murmelten und flüsterten durcheinander, es wankte und tappte die Treppe herauf – endlich pochte man an meine Türe und befahl mir im Namen der Obrigkeit, aufzumachen. Ohne deutliches Bewußtsein, was mir drohen könne, glaubte ich zu fühlen, daß ich nun verloren sei. Rettung durch Flucht – so dachte ich und riß das Fenster auf. – Ich erblickte Bewaffnete vor dem Hause, von denen mich einer sogleich bemerkte. »Wohin?« rief er mir zu, und in dem Augenblick wurde die Türe meines Schlafzimmers gesprengt. Mehrere Männer traten herein; bei dem Leuchten der Laterne, die einer von ihnen trug, erkannte ich sie für Polizeisoldaten. Man zeigte mir die Order des Kriminalgerichts, mich zu verhaften, vor; jeder Widerstand wäre töricht gewesen. Man warf mich in den Wagen, der vor dem Hause hielt, und als ich, an dem Ort, der meine Bestimmung schien, angekommen, frug, wo ich mich befände, so erhielt ich zur Antwort: »In den Gefängnissen der obern Burg.« Ich wußte, daß man hier gefährliche Verbrecher während des Prozesses einsperrte. Nicht lange dauerte es, so wurde mein Bette gebracht, und der Gefangenenwärter frug mich, ob ich noch etwas zu meiner Bequemlichkeit wünsche. Ich verneinte das und blieb endlich allein. Die lange nachhallenden Tritte und das Auf- und Zuschließen vieler Türen ließen mich

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