Kurzinhalt, Zusammenfassung: Sonette an Orpheus (1923)

Der zweite Teil der Sonette nimmt das Eurydike-Motiv nun explizit und im Kontext der Gegenüberstellung von Sein und Nicht-Sein auf und endet mit dem Ausdruck der Suche nach dem Ganzen und dem Da-Sein.

Zusammenfassung:

Orpheus, der singende Gott (I 1-3, I 19, II 26) und der Herr des Dichters (I 16), erscheint als der rühmende und der zu rühmende Grenzgänger zwischen zwei Welten – dem Reich der Lebenden und dem der Toten – und tritt damit in eine gewisse Analogie zum Dichter selbst, der sich, ebenfalls als Grenzgänger, zwischen dem lebendigen Reich der Poesie und dem der Abbildung von Poesie bewegt.

Darüber hinaus weisen auch die Sonette noch andere typische Rilke-Motive auf, wie z. B. die (Hecken)Rose (I 5, II 21) oder Blumen (II 5-7, II 15), das auch aus der 21., 59. und 67. Malte-Aufzeichnung bekannte Frühlingsmotiv (I 21 und II 24) oder das auch in der siebten Elegie verwendete Reiter-Sternbild (I 11). Ebenfalls aus anderen Texten bekannt sind verschiedene Orte, wie z. B. die auch in den Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge erwähnte Gräberallee von Alychamps im französischen Arles (I 10) oder das aus der sechsten Elegie bekannte Karnak (II 22). Auch Autobiographisches findet sich in den Sonetten, wie den russischen Schimmel (I 20), die Widmung für Rilkes Vetter Egon (II 8) oder das durch die in einen Lorbeerbaum verwandelte Daphne (II 12) evozierte Lorbeer-Erlebnis.